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Armeekorps, die Infanterie präsentierte, die Trommeln und die Musikkorpsfielen ein. Und ein gewaltiges dreifaches Hurra aus vierzigtausend deutschenKehlen brauste dem Kronprinzen entgegen. Wie sollte ich je dieses Tagesvergessen, dieser Heerschau vor dem Kronprinzen von Preußen und desDeutschen Reiches, dort in der Picardie , dicht an den steilen Höhenrändemder Hallue, wo wir in den Weihnachtstagen gekämpft hatten, im Angesichtder alten Hauptstadt Amiens. Wie sollte Deutschland je den Kaiser Fried-rich vergessen, der durch sein ganzes Leben in Freud und Leid, in jederLage zwei große Mannestugenden betätigt hat: Er war durch und durchwahr, und er war ganz furchtlos. Mit leuchtendem Blick folgte jeder Mannim Gliede dem geliebten Königssohn, dem Sieger von Weißenburg undWörth, als er die glänzende Front hinunterritt. Die ganze deutsche Ver-gangenheit stieg vor meinem Geiste auf: Theoderich und Alarich , Roland,der bei Roncesvalles fiel, und Siegfried, der den Drachen schlug, Hein-rich III. der Salier und Heinrich VI. der Staufer .
Auch diese beiden Kaiser starben zu früh, wie Kaiser Friedrich . BeimVorbeimarsch unseres Regiments, der in halben Eskadronen stattfand, er-hob sich plötzlich bei der gesamten Infanterie des Korps, die seitwärts her-ausgezogen war, ein brausendes „Lehm op!“, angestimmt von den rheini-schen Jägern und gern aufgenommen von allen anderen Truppen. Auf dieFrage des Kronprinzen nach der Bedeutung des Jubels, meldete ihm derGeneralleutnant von Barnekow, der Ruf „Lehm op!“ gelte den Königs-husaren, und in dem stürmischen Ruf werde dem Regiment die An-erkennung für die den anderen Waffen geleisteten guten Dienste aus-gedrückt. In den Reihen des Regiments ritten an jenem denkwürdigenTage vier Offiziere, die in späterer Zukunft den hohen Orden vom Schwar-zen Adler tragen sollten: der Oberst von Loe, der Premierleutnant Moßner,die Secondleutnants von Deines und von Bülow. In den nächsten Tagenrückten wir über Longeau nach Salonelle und Saleux. Dort wurden aufBefehl des Obersten in den Eskadrons Reitabteilungen formiert. Fortanwurde morgens in Klasse geritten oder zu Pferde in der Schwadron exer-ziert. Am Nachmittag wurde zu Fuß exerziert oder geturnt.
Das Verhältnis der Husaren zu den Bauern der Picardie war ganzgemütlich. Bei den Feldarbeiten half der Husar dem Landmann. DerBauer verstand, was der deutsche Soldat meinte, wenn er die Worte sprach:„Pain“, „vin“, „avoine“, „foin “. Der Soldat gebrauchte auch gern die Lieb-lingsredensart des französischen Bauern: „Malheur, malheur pour nous,malheur pour vous, malheur pour tout le monde.“ Über meine Equipierungschrieb ich nach Flause: „Dieselbe ist sehr schön, kostet aber heidenmäßigviel Geld. Sobald ich die Rechnungen zusammen habe, werde ich sie Euchschicken. Zu Nutz und Frommen meiner jüngeren Brüder will ich die
Unter fran-zösischenBauern
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