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4 (1931) Jugend- und Diplomatenjahre
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ZWEIHUNDERTFÜNFZIG TALER

Hauptgegenstände beschreiben, nämlich: Goldattila, wie mein Einjährigen-Attila, nur mit Schnüren von Gold, mit Silber gewirkte Achselklappen,Tressen an den Ärmeln und Kragen, goldene Rosetten und geriffelte Knöpfe.Der Attila ist wunderschön, kostet aber leider siebzig Taler. Pantalon wiesonst, nur mit Tresse statt Litze. Stiefel auch mit Tresse und Rosetten vorn.Ich habe mir zwei Paar Stiefel kommen lassen, die ich schon in Bonn hatte.Interims-Attila habe ich mir alt, aber noch ganz gut, für fünfzehn Talergekauft. Er ist hellblau mit weiß-und-schwarzen Schnüren. Beide Attilaspassen mir sehr gut. Am teuersten ist das Komplett-Zeug und besondersdie Schabracke. Ich kann sie aber nicht entbehren. Pelzmütze kostetzwanzig Taler, ist aber sehr schön. Schärpe ist von Silber mit zwei großenQuasten, Säbeltaschen mit in Gold gewirktem Namenszug. Beides ist sehrteuer, weniger Bandelier. Am billigsten verhältnismäßig Zaumzeug undSattel. Die Equipierung wird ohne Pferde wohl auf zweihundertfünfzigTaler zu stehen kommen. Das liebste wäre mir, ich dürfte das kleine Legatdazu verwenden, das mir Onkel Martin ausgesetzt hat. Ich war sehr be-müht, meinen guten Eltern unnötige Ausgaben zu ersparen, und damals inkeiner Weise verwöhnt.

Am 1. April wurde ich zum Platzmajor von Amiens ernannt. Ich schriebitzmajor darüber an meine Eltern:Ich bin zur Kommandantur von Amiens be-Amiens fohlen, wo ich Platzmajor geworden bin, damit ist wenigstens gutes Essenund sehr gute Wohnung verbunden. Die Geschäfte sind nicht schlimm.General Ruville ist Kommandant, auch seine Frau ist hier, macht aberweniger Aufsehen, als sie wünscht. Adjutant ist Graf Talleyrand von den2. Garde-Ulanen, ein sehr netter Mensch. Um halb zwölf und halb sechshabe ich Vortrag beim General, gebe dann um ein Uhr und um acht Uhrden Kommandanturbefehl aus, Donnerstags und Sonntags gebe ich ihn aufder Wachtparade aus. Am meisten habe ich noch zu tun mit den französi-schen entlassenen Militärs, zumal seit sie uns grüßen sollen.

Der General von Ruville, als strammer alter Offizier, der aus demGeneral 1. Garde-Regiment hervorgegangen war, hielt mit Strenge auf diesen Gruß. Ruville Wenn ein vorübergehender französischer Offizier ihn nicht grüßte, mußteich den Unbotmäßigen verhaften. Dabei kam es bisweilen zu lärmendenAuftritten. Als ich wieder einmal einen unglücklichen französischen Offizierverhaften sollte, stürzte, sehr erregt, eine Dame auf mich zu und rief mirentgegen:Homme cruel, vous navez donc pas de mere? Das Publikumschrie und tobte. Ich antwortete:Mais, Madame, si je navais pas de mere,comment voulez-vous que jaie lhonneur et le plaisir de causer avec vous ?Die Umstehenden lachten, und die aufgeregte Dame mit ihnen. Ernsterlag der Fall bei einem französischen Offizier, der eine im Dienst befindlicheSchildwache, die ihn im Bahnhofsgebäude einen verbotenen Korridor nicht