EIN RHEINISCHER EDELMANN
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des Wortes war alles an ilim. Er war ein Edelmann vom Scheitel biszur Sohle, aber ein Edelmann ohne Standeshochmut, ohne Vorurteile. Erhing treu an seiner rheinischen Heimat. „Ich bin“, konnte er wohl sagen,„nicht nur mit Rheinwasser getauft, ich bin mit rheinischer Milch gesäugt,ich bin ganz und gar Rheinländer.“ Aber er konnte und wollte sich dasRheinland nur als preußische Provinz denken, in unlöslicher Verbindungmit der preußischen Monarchie. Er war Preuße bis in die Fingerspitzen.Als der ihm sehr gnädig gesinnte Kaiser Friedrich ihm als Kronprinz ein-mal von der Kaiserherrlichkeit des Mittelalters sprach und äußerte, derZusammenhang zwischen dem alten und dem neuen Deutschen Reich müsseauch äußerlich mehr zum Ausdruck gebracht werden, meinte Loe: „Ach,Kaiserliche Hoheit, die Kaiserwürde ist schließlich doch nur ein Mantel, densich der König von Preußen umgehängt hat.“ Im Laufe einer glänzendenmilitärischen Karriere, die ihm als Krönung den Marschallsstab brachte,vor immer größere und bedeutendere Aufgaben gestellt, hatte er immermehr Gelegenheit, die Eigenart seiner lauteren Persönlichkeit zur Geltungzu bringen. Walter Loe transigierte nicht in grundsätzlichen Fragen, aberer war nie verbohrt, nie verrannt, wie das der Deutsche nur zu oft ist. Erwar gar nicht eigensinnig. Wenn eine Frage nicht ohne unvernünftige Ge-walt oder ein unverhältnismäßiges Risiko zu lösen war, so suchte er nacheinem Ausweg, wie er, bei einer Felddienstübung oder einer Schnitzeljagdvor einen unpassierbaren Graben oder eine allzu hohe Hecke gelangt, nacheiner Stelle spähte, wo Graben oder Hecke zu nehmen waren, ohne daßReiter und Gaul den Hals brachen. Er kannte keine Furcht, weder im Feldenoch im Leben. Er opferte nie seine Grundsätze, und dabei war er vielleichtder einzige hochstehende Preuße, der gleichmäßig das Vertrauen des altenKaisers und der Kronprinzessin Viktoria, der Kaiserin Augusta und desPrinzen Friedrich Karl, des Kronprinzen und des Prinzen Wilhelm besaß.Mit der Großherzogin Luise von Baden verband ihn langjährige undinnige Freundschaft.
Mit Bismarck stand er nicht gut. Die Schuld lag nicht an ihm, sondernan dem bisweilen krankhaften Mißtrauen des großen Staatsmannes gegen-über Menschen, die aus irgendeinem Grunde seinen nie schlafenden Arg-wohn erregt hatten. Nach dem Sturze des Fürsten Bismarck mißbilligteLoe die Ungezogenheiten des Kaisers Wilhelm II. gegenüber dem größtenDiener seines Großvaters. „Der Fürst Bismarck“ , sagte Loe damals zu mir,„gehört in die preußische Ruhmeshalle zu Friedrich dem Großen und Stein,Blücher und Moltke. Nur mit dem Hut in der Hand darf man sich solchenMännern nahen, nicht wie der Junge, der mit Schneebällen nach einemMonument wirft.“ Herbert Bismarck hatte es durch sein Verhaltengegenüber der Fürstin Elisabeth Carolath, der Schwägerin des Feld-
Loe und dieBismarcks