wir seit Mezieres und dem mit diesem verbundenen Charleville mar-schierten, recht gut beschrieben sind.“
Am 4. Juni schrieb ich aus Leinbach in der Eifel :
„Wir sind, seitdem ich Euch zum letztenmal schrieb, immer am Mar-schieren gewesen. Von der Grenze aus gingen wir über den Hunsrück nach TrierTrier. Wir überschritten die Saar bei Conz, wo sie sich mit der Mosel ver-einigt. Bei strömendem Regen zogen wir in Trier ein. Die Stadt war sehrschön geschmückt. Aus allen Häusern wehten preußische Fahnen, überallGirlanden, Büsten des Königs und der Prinzen. Am Tor war eine großeGermania und weiter in der Stadt eine Bildsäule der Stadt Trier an-gebracht. Beide mit Fahnen, Emblemen und Wappenschildern reichlichversehen. Wir wurden von den Trierer Damen mit vielen Kränzen undBlumen beschenkt, hätten aber gern auf einige verzichtet, wenn wir inetwas bessere Quartiere gekommen wären. Ich wurde mit meinem Zugenach Metzdorf detachiert, einem kleinen Dorfe hart an der Sauer, demluxemburgisch-preußischen Grenzfluß. Die Luxemburger sind sehr fran-zösisch und schimpften über den zirka fünfundzwanzig Fuß breiten Flußhinüber.
Den nächsten Tag, einen Ruhetag, benutzte ich, um mir mit meinemFreunde Schräder Trier anzusehen. Es liegt herrlich im Moseltal, vonHöhenzügen eingeschlossen. Die Mosel, die Trier durchfließt, ist hier schonrecht breit. Wir bewunderten die Porta nigra , ein festes Tor aus der römi-schen Zeit. Im vorigen Jahrhundert sind aus der Porta zwei Kapellen imRokokostil gemacht worden. Die eine ist abgetragen worden, die andereaber existiert, wenigstens zum Teil, noch. Die Arabesken und Schnörkela la Louis XIV nehmen sich sonderbar aus auf der römischen Fassade. Wirfuhren nach den römischen Bädern, die großartig, aber schon stark ver-fallen sind. Jedenfalls waren die römischen Badeeinrichtungen besser alsunsere, nach der kolossalen Rotunde zu urteilen, jetzt mit Gras und Efeubewachsen. Auch die Basilika soll von den Römern erbaut sein, und zwarvon Konstantin dem Großen. Ihr Baustil ist gewiß römisch, die Kircheselbst sieht so neu aus, daß es uns unwahrscheinlich vorkam, daß die Römersie erbaut haben sollen. In der Nähe liegt das früher kurfürstliche Palaisim Renaissancestil und der Dom, uralt, aus der Zeit Valentinians I. , aberziemlich unbedeutend. Merkwürdig war endlich noch das Hotel MaisonRouge, in dem wir aßen, das früher als Rathaus gedient hat und die stolzeInschrift trägt, daß Trier tausend Jahre vor Rom gestanden habe. So istTrier gewiß eine der merkwürdigsten Städte in Deutschland , und es warsehr hübsch, daß wir Gelegenheit hatten, sie zu sehen.
Seit Trier marschieren wir durch die Eifel . Die Gegend ist hübsch, aberherzlich arm, doch bemühten sich alle Dörfer, uns mit Fahnen und Böller- Die Eifel
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