IN DER HEIMAT
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Godesberg an meine Mutter: „Liebste Mama, tausend Dank für Eure Godesberglieben und freundlichen Briefe. Ich brauche Dir nicht erst zu sagen, wie ich un< * ß° n, ‘alles tun werde, um so bald wie möglich Urlaub zu bekommen. Es wirddies wohl schwerhalten, doch hoffe ich es zu erreichen, obwohl jetzt natür-lich alles Urlaub haben will und die Anciennität bei solchen Gelegenheitenauch eine Rolle spielt. Ich reite heute mittag nach Bonn , um mit dem Majorzu sprechen. Ich werde um sechs Wochen bitten, doch wird er mir wohl nurvier Wochen bewilligen wollen. Daß ich alles tun werde, um so bald und solange wie irgend möglich Urlaub zu bekommen, brauche ich, wie gesagt,
Euch nicht zu versprechen. Wir sind seit dem 6. Juli in Bonn angelangt,der Empfang war ein sehr schöner. Deputationen und Wagen waren unsbis eine Meile vor Bonn entgegengekommen. Die Stadt selbst war mitBlumen, Fahnen, Girlanden und Transparenten reichlich geschmückt. AlleStraßen waren voll Menschen, wir bekamen viele Buketts und Kränze. Vonden offiziellen Reden habe ich nicht Adel gehört, da ich bei der 3. Schwadronbin und wir zu dreien abgebrochen waren. Nachdem der Umzug durch dieStraßen unter vielem Böllerschießen und noch mehr Geschrei zu Ende war,ging unsere Schwadron nach Godesberg , wo wir vierzehn Tage bleibensollen, bis die Kaserne in Bonn in Ordnung gebracht wird. Ich bin hier imersten Hotel einquartiert und lebe sehr angenehm. Godesberg ist einwunderhübscher Ort, eine Meile von Bonn und vis-ä-vis dem Siebengebirge ,lauter schöne Villen reicher Kölner und Elberfelder, dabei viele Fremde,besonders Holländer. Die Schwadron führt jetzt der neue Rittmeister GrafGalen, der sehr nett ist. Er ist ein Neffe des Bischofs Ketteier von Mainz und stand vor dem Kriege bei den päpstlichen Zuaven in Rom . Am 6. hattenwir ein großes Diner auf dem Kasino in Bonn , und abends hatten dieHusaren ein großes Fest. Nachher wurde die Stadt wirklich wunderhübschilluminiert und auf dem Rathausplatz großes Feuerwerk losgelassen. AmFreitag hatten wir, als am katholischen Festtag, Ruhetag. Sonnabend gabdie Stadt dem Offizierkorps ein großes Diner in der Beethoven-Halle , wobeiverschiedene Reden gehalten wurden und es sehr vergnügt herging. Es istmir sehr recht, daß ich vorläufig noch in Godesberg bleibe, da ich in Bonn noch keine Wohnung habe. Es ist dort sehr schwer, eine gute und nicht zuteure Wohnung zu finden. Seid, bitte, überzeugt, daß ich alles tun werde,was möglich ist, um bald Urlaub zu bekommen und Euch in Flottbekwiederzusehen. Treuste Wünsche von Eurem treuen Sohn.“
Am 20. Juli 1871 traf ich bei meinen Eltern in Klein-Flottbek ein.
Mein Vater trug am Tage meiner Rückkehr folgende Worte in seine Bibel Ankunftein: „Gott gab uns ein gutes Wiedersehen. Er schütze und segne das Leben in Klein-unseres ältesten Sohnes, das Er in Seiner Gnade in diesem Feldzug bewahrthat. Wie könnten wir Ihm genug danken, daß Er Bernhards bei dessen