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4 (1931) Jugend- und Diplomatenjahre
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REFERENDAR-EXAMEN

Ältere siebzehn Jahre später deutscher Kanzler werden würde. Damalskannte ich Herrn von Hertling nicht einmal von Ansehen. Wohl aber er-innere ich mich an die gemessene Gangart und das feierliche Auftreten desHistorikers Heinrich von Sy bei. Er galt für ehrgeizig, und die Studentenlachten über den von einem seiner Kollegen geprägten und oft wiederholtenYefs:Minister wär nicht übel! So denkt der Herr von Sybel.

Im September 1871 wurde ich nach einer Schwimmübung, die ich zuFranz Pferde und in Uniform im Rhein unternommen hatte, von einem nicht ganzArenberg unbedenklichen Ruhranfall heimgesucht. Ich konnte bald wieder Diensttun, aber mein Yater drängte mich noch mehr als vorher zur baldigen Ab-legung meines Referendar-Examens. Nun entstand die Frage, wo ich dasExamen machen sollte. Unter meinen Regimentskameraden war mir vonAnfang an kaum einer sympathischer als der Leutnant Prinz FranzArenberg. Er sollte mir einer der treuesten Freunde werden, die ich imLeben gehabt habe. Das Haus Arenberg, das von Kaiser Karl V. die reichs-gräfliche, von Kaiser Maximilian II. die reichsfürstliche und später auchdie herzogliche Würde erhalten hatte, rangierte an allen deutschen Höfenvor allen anderen standesherrlichen Häusern. Der Stammvater des Hauses,Hartmann von Arenberg, erblicher Burggraf und Protektor von Köln,war schon im elften Jahrhundert im Kampfe gegen die Ungläubigengefallen. Die Devise der Familie war:Christus protector meus. Und inunerschütterlicher Treue hatte sie immer zur katholischen Kirche ge-standen. Die Mutter von Franz Arenberg entstammte der Familie Merode,die, stolz auf ihre Abstammung von den Grafen von Barcelona und denKönigen von Aragon, es verschmähte, die ihr im neunzehnten Jahrhundertverliehenen Fürstentitel von Rubempre und von Grimberghe zu führen,und die Devise trug:Plus dhonneur que dhonneurs. Die Eltern vonFranz Arenberg bewohnten im Winter Brüssel, im Sommer ein schönesLandhaus an der Maas, nicht weit von Namur . Francois Arenberg sprachFranzösisch ebenso geläufig, fast geläufiger als Deutsch. Aber er hatte,gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Jean, freiwillig den Deutschen Krieg gegen Frankreich mitgemacht und war ein guter Preuße und Deut-scher. Ein treuer Sohn der katholischen Kirche , ohne jede Unduldsamkeit.Einer der bebenswertesten und bebenswürdigsten Menschen, die mir vor-gekommen sind: immer heiter, immer ein Scherzwort auf den Lippen,dabei fleißig, kenntnisreich, gründlich und vor allem ein selbständiger,aufrechter, nobler Charakter. Ich bedaure noch heute, daß es mir niemalsgelungen ist, bei Wilhelm II. , der eine vöbig ungerechte Abneigung gegenFranz Arenberg hatte, dessen Ernennung zum preußischen Gesandten beimPäpstlichen Stuhl oder auch zum deutschen Botschafter in Paris oder Wien durchzusetzen, Posten, die er, nach meiner Überzeugung, vorzügbch aus-