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NACHWUCHS FÜK DAS AUSWÄRTIGE AMT
angriff den Sieg der preußischen Fahnen herbeigeführt. Er stieg später zuden höchsten Chargen auf, wurde General der Kavallerie, Generalinspekteur,Ritter des Schwarzen Adlerordens und, was ihn am meisten gefreut habenwird, schließlich Chef der Ansbach-Bayreuth-Dragoner. Wir suchten seinGrabdenkmal in der Pasewalker Kirche auf, bewunderten auch einenschönen Mauerturm, der wegen seiner weiten Aussicht den echt pommerschen,gemütlichen Namen „Kiek in die Mark“ trug. Wir promenierten Arm inArm auf dem Marktplatz und schmiedeten Zukunftspläne. Ich trug michnoch mit der Hoffnung, daß mein Vater mir als Belohnung für mein gutesExamen erlauben werde, vorläufig bei den Königshusaren in Bonn zu bleiben.
Als ich am nächsten Tage in Berlin eintraf, schnitt mein Vater weitereDie Illusionen in dieser Richtung mit der Eröffnung ab, daß er über meineBerufsfrage Zukunft endgültig verfügt habe. Er habe mit dem Unterstaatssekretär desAuswärtigen Amtes, Exzellenz von Thile, gesprochen und ihn gefragt, obeine Chance wäre, daß ich in den diplomatischen Dienst übernommenwerden könnte. Herr von Thile habe erwidert, daß die Aussichten in dieserBeziehung sogar ganz günstig seien. Nach dem siegreichen Krieg strömealles zur Armee, während es unserer Diplomatie an Nachwuchs fehle. FürstBismarck habe kürzlich an das Militärkabinett geschrieben und es gebeten,drei tüchtige Offiziere zum Auswärtigen Amt zu kommandieren. Von diesendrei Offizieren ist, wie ich einschalten will, nur einer im Auswärtigen Dienstgeblieben: Graf Kuno Rantzau, damals Leutnant im 3. Garde-Ulanen -Regiment. Er sollte 1878 der Schwiegersohn des Fürsten Bismarck werden.Er hat in der nicht leichten Stellung eines Eidams des mächtigen KanzlersTakt und Würde bewiesen. Er war dabei ein pflichttreuer Beamter, überden Durchschnitt begabt, ein vornehmer Charakter mit den guten Eigen-schaften des Holsteiners: Zuverlässigkeit, Ruhe und gewissenhafter Fleiß.Er hat wie im Auswärtigen Amt so auch später als Gesandter in München und im Haag nichts verdorben, wohl aber zusammen mit seiner lieben undguten Frau Achtung und Sympathie eingefiößt. Daß Holstein und PhiliEulenburg, die beim Sturze des Fürsten Bismarck und noch viele Jahrenach diesem Sturze Hand in Hand als intime Freunde gingen, KunoRantzau anfeindeten, hatte seine guten Gründe. Holstein grollte Rantzau,weil dieser seine bisweilen arg verschlungenen Wege und oft bedenklichenRänke nicht mitmachen wollte. Phili aspirierte auf den von Rantzaubekleideten Posten in München. Die beiden anderen 1872 zum AuswärtigenAmt kommandierten Offiziere sind nicht im diplomatischen Dienst ge-blieben. Der eine, Herr von Werthern, ein Zwölfer Husar, dem einst einegrößere Zukunft prophezeit worden war, sei es in der Armee, sei es alsDiplomat, hat es nur bis zum Kommandanten der kleinen Festung Wesel gebracht, der andere, Herr von Br an dis, ein Hannoveraner, bis zum