EINE AUSLÄNDERIN ÜBER DIE DEUTSCHEN
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l’Eglise, ni PEtat avec une pareille petitesse d’esprit. Louis XIY lecomprit, lorsque lui, le roi tres chretien permit la representation du,Tartuffe‘ de Moliere.“
Die Prinzessin Maria Arenberg freute sich der deutschen Siege, aber siesah trotzdem nicht ohne Sorge in die deutsche Zukunft, was bei den inter-essanten Plauderstunden, die ich im Kreise der Familie verlebte, wiederholtzum Ausdruck kam. Sie meinte: „Deutschland hat Frankreich besiegt,glänzend besiegt. Es ist heute die erste Macht in Europa , in der Welt. AberIhre ungeheuren Erfolge, deren ich mich schon als Mutter meiner Söhneaufrichtig freue, sind doch mehr das Werk weniger, sehr hervorragenderMänner als die Leistung eines politisch begabten und geschulten Volkes.Ich beklage und bedaure den Zwist zwischen Bismarck und der katho-lischen Kirche. Aber Bismarck bleibt doch einer der größten Staatsmänneraller Zeiten. Moltke, Roon, Manteuffel, Werder , Blumenthal, Goeben kannich ohne jede Einschränkung bewundern. Der alte Kaiser ist einer derpflichttreusten, weisesten, besten Fürsten, die je auf einem Throne saßen.Sein Sohn ist ein Held und dabei ein durch und durch edler Mensch. Toutcela est admirable. Aber wie steht es mit der Masse der Deutschen ? Würdendie Deutschen imstande sein, wie die Engländer, in freiwilliger Unter-ordnung unter das allen gemeinsame staatliche Interesse alle Parteirück-sichten zurückzustellen, wären die Deutschen fähig, in der Stunde der Notgeschlossen dem Fahnenträger zu folgen wie jetzt die Franzosen ihremGambetta, unter dem die Zouaves pontificaux und die Rothemden desKirchenfeindes Garibaldi Schulter an Schulter fochten? Ich fürchte: nein!Das Einheitsgefühl und die Zurückdrängung aller Parteigesichtspunkte undjedes Partikularismus, sobald es um Ehre und Ruhm des Landes geht,scheinen mir in Deutschland weniger entwickelt und weniger stark zu seinals in Frankreich, das deutsche Nationalgefühl und der deutsche Patrio-tismus weniger leidenschaftlich, nicht so alles mit sich fortreißend wie inFrankreich . Und die Mehrheit Ihrer Parlamentarier! Comparez Virchowet Mommsen comme hommes politiques, comme hommes d’etat avec Mon-sieur Thiers! Richter et Lasker et Monsieur Schulze-Delitzsch, Waldeck etJacoby sont certainement des hommes tr£s vertueux et tres honnetes. Maisvous m’accorderez que, compares ä Leon Gambetta , ce sont des cuistres(Schulmeister). C’est surtout la democratie allemande, qui, comme elanpatriotique, comme esprit politique me semble bien inferieure ä la demo-cratie framjaise.“
Als die Prinzessin Arenberg so sprach, dachte ich an das, was mir meinVater nach der Erstürmung von Düppel und dem Übergang nach Alsengesagt hatte. Ich dachte an Goethes Wort von dem Deutschen , der alsGanzes oft viel zu wünschen übrig lasse.