MIMI SCHLEINITZ
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Ein Versuch, seine Ehe mit der Gräfin Mathilde Götzen annullieren zulassen, um eine zweite Ehe zu schließen, wurde von der Kurie abgelehnt.Ne bis in idem. So trat er rasch entschlossen aus der katholischen Kirche aus und zu der damals neugegründeten Sekte der Deutschkatholiken, derLichtfreunde, über, die keinen Anstand nahm, seinen zweiten Lebensbundeinzusegnen. Er wurde exkommuniziert, hat aber nach dem Tode seinerersten Gattin den Rückweg zur Kirche gefunden. II y a des accomodementsavec le ciel. Aus der Ehe Hatzfeldt-Nimptsch stammten der spätere Herzogvon Trachenberg und die Gräfin Hermine Hatzfeldt, die nacheinander denungarischen Grafen Eduard Telecki und, nachdem sie sich von ihm hattescheiden lassen, den siebenbürgischen Baron Emil Henning-O’Caroll vonElye-O’Caroll und Oriell heiratete und nach der Trennung auch von ihremzweiten Gatten schließlich in der Nähe von Venedig, in dem kleinen OrteMestre , in freier Liebe mit einem Gondoliere hauste. Die Fürstin MarieHatzfeldt, geborene Nimptsch, brachte aus ihrer Ehe mit Herrn vonBuch eine Tochter mit, die ihrerseits in erster Ehe den Hausministervon Schleinitz, nach dessen Tode den österreichischen Botschafter inSt. Petersburg und Paris, den Grafen Anton Wolkenstein , heiratete. Damithoffe ich diesen Rattenkönig entwirrt zu haben. Um zu zeigen, wie ver-wickelt die Verhältnisse im Hause Hatzfeldt lagen, erwähne ich noch, daßFrau Franziska von Loe als Frau von Nimptsch gleichzeitig die Schwägerinund die Stieftochter der Fürstin Marie Hatzfeldt war. Mein Freund GuidoNimptsch konnte sich rühmen, der Enkel und der Neffe des alten FürstenHermann Hatzfeldt zu sein.
Marie von Buch hatte, ehe sie 1865 Schleinitz heiratete, mit ihrer Groß-mutter, Frau von Nimptsch, geborener Gilgenheimb, zwei Winter in Paris verlebt. Man nannte die beiden Damen dort „La jeune Buche et la vieilleNymphe“. Bei ihrer Vermählung zählte la jeune Buche fünfundzwanzig,Schleinitz achtundfünfzig Jahre. Es lag auf der Hand, daß die bösenZungen Berlins sich mit diesem Mißverhältnis beschäftigten. Man erzähltesich, daß Mimi, so wurde die junge Gattin schon damals allgemein genannt,am Morgen nach dem Hochzeitstage etwas enttäuscht zu ihrer Mutter ge-sagt habe: „Das ist also das berühmte Heiraten!“ Sie war eine nichtunbedeutende Frau. Um mit ihren guten Eigenschaften anzufangen, warsie, wie das ihre Abstammung mit sich brachte, eine echte Preußin und ist,als sie 1885 einen österreichischen Diplomaten, den Grafen Anton Wolken-stein, damals Botschafter in St. Petersburg, später in Paris , heiratete, einesolche geblieben. Preußin und Protestantin, hat sie sich zu ihrem Preußen-tum und zu ihrem Protestantismus in Paris wie in Wien stets offen bekannt.Sie war ein Charakter. Das bewies sie gegenüber Richard Wagner ,dessen Sache sie in unerschütterlicher Treue anhing, für dessen Bayreuther
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