VAE VICTIS!“
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Mita Benkendorf, celebre par ses malheurs conjugaux, du reste un hommccharmant!“
Von den bundesstaatlichen Gesandten war der Bayer Perglas einer derBundes- letzten Vertreter des reichsfeindlichen bayrischen Partikularismus. Beistaatliche Berliner Hoffesten hielt er sich demonstrativ zum Diplomatischen Korps,Vertreter zum Bundesrat. Als Bismarck ihn einmal unter den ausländischen
Vertretern stehen sah, redete er ihn auf französisch an. Als Perglas verlegenerwiderte, er sei der bayrische Gesandte und verstehe ganz gut Deutsch, meinte Bismarck: „Da Sie sich immer zu den Ausländern stellen, statt zuIhren Kollegen vom Bundesrat, hielt ich Sie für einen Fremden.“ ImGegensatz zu Perglas gehörte der württembergische Gesandte, der FreiherrHugo von Spitzemberg, zu den Intimen des Bismarckschen Hauses. Erund seine Gattin, eine Tochter des langjährigen württembergischenMinisterpräsidenten Karl von Varnbüler, waren der Familie Bismarck schon in St. Petersburg nähergetreten, als dort gleichzeitig BismarckPreußen und Spitzemberg Württemberg vertrat. Es gelang Frau vonSpitzemberg, den Fürsten Bismarck allmählich mit ihrem Vater zu ver-söhnen, der im Juni 1866 in der Württembergischen Kammer auf die Frage,was mit einem besiegten Preußen geschehen solle, triumphierend geant-wortet hatte: „Vae victis!“ Der Freiherr Karl von Varnbüler wurde eineifriger Mitarbeiter des großen Kanzlers bei dessen schutzzöllnerischerPolitik. Karl von Varnbüler hat, wie sein Schwiegersohn Spitzemberg , denSturz des Fürsten Bismarck nicht mehr erlebt. Sein Sohn Axel von Varn-büler und seine Tochter, die verwitwete Frau Hildegard von Spitzemberg ,gehörten zu den ersten, die von dem gestürzten Bismarck abschwenkten.Axel, der später Württemberg als Gesandter und Bevollmächtigter zumBundesrat vertrat, folgte dem Beispiel Phili Eulenburgs, mit dem ihn,seitdem sie in Straßburg zusammen studiert hatten, intime Freundschaftverband. Seine Schwester, Hildegard von Spitzemberg , schloß sich mitsolchem Enthusiasmus dem Nachfolger von Bismarck an, daß in demgrollenden Friedrichsruh spöttisch behauptet wurde, sie wolle den HagestolzCaprivi heiraten, um Frau Reichskanzler zu werden.
Von den bundesstaatlichen Vertretern in Berlin gefielen mir der BadenerTürckheim und der Hanseate Dr. Krüger am besten. Der Freiherr vonTürckheim zu Altdorf, der Baden seit dem Mai 1864 in Berlin vertrat, warein wackerer Alemanne vom Schlage der Karl Mathy und Ernst Bassermann .Sein lebendiger Patriotismus und seine herzliche Freude an unseremherrlichen, aus der Feuerprobe dreier siegreicher Kriege hervorgegangenenDeutschen Reich berührte in dem bisweilen allzu kritischen und deshalbflach und kleinlich urteilenden Berlin doppelt wohltuend. Dr. Krüger warein tüchtiger Niederdeutscher, stand mit festen Knochen auf der dauernden