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DER DAMENKRIEG
Kenntnis des Fürsten Bismarck gekommen. Als nun Herr von Schweitzerbei einem Hof ball im Berliner Schloß auf die unglückliche Idee kam, sichdem großen Kanzler vorzustellen, apostrophierte ihn dieser mit den Worten:„Sie sind also der Mann, der gemeinsam mit Ihrer Majestät der Kaiserinund Königin und Ihrer Königlichen Hoheit der Frau Großherzogin Luisevon Baden meiner nach bestem Wissen und Gewissen geführten Politikbeständig Schwierigkeiten macht und trotzdem die Un ... Un . . . Un-verfrorenheit hat, in den diplomatischen Dienst des Reichs eintreten zuwollen. Aber ich werde mir diese Intrigen nicht länger gefallen lassen!“Schweitzer, ein ungewöhnlich höfliches, sehr ängstliches Männchen, war ohdieser Anrede so erschrocken, daß er den Chapeau claque, den er in derHand hielt, fallen ließ. Mit einiger Mühe gelang es den Gönnern des Herrnvon Schweitzer, den Fürsten davon zu überzeugen, daß der Arme wirklichnicht am Sturze des großen Ministers arbeite, und so kam er denn alsZweiter Sekretär an die Gesandtschaft in Rom , wo er mit dem MundierenKeudellscher Berichte nützlich beschäftigt wurde. Wenn der Name desFürsten Bismarck in seiner Gegenwart genannt wurde, so überkam ihnnoch immer ein gewisses Unbehagen. Herr von Hasperg war ein Sohn derFreien und Hansestadt Hamburg , wo er es in dem Hamburger Kontingentder Bundestagszeit bis zum Major gebracht hatte. Durch freundliche Für-sprache Hamburger Gönner, die Beziehungen zu einflußreichen Berliner Stellen hatten, war es ihm gelungen, der römischen Mission attachiert zuwerden. Wie viele Hamburger, war Hasperg ein großer Feinschmecker. Erwar namentlich stolz auf seine Rotweine, die auch wirklich sehr gut waren.Als er einmal die Ehre hatte, den Prinzen Friedrich Karl , den großen Feld-herrn, bei sich zu Tisch zu sehen, setzte er ihm einen Lafitte vor mit denWorten: „Den Wein müssen Eure Königliche Hoheit aber mit Verstandtrinken!“
Im römischen Diplomatischen Korps wurde viel geklatscht. Mein geist-Aus dem Di- reicher Freund, Herr von Villers in Wien , pflegte zu sagen, geklatscht wirdplomatischen in jedem Korps, im Corps de Ballet so gut wie im Diplomatischen Korps. DerKor P s Klatsch im römischen Diplomatischen Korps drehte sich damals vielfachum den Streit der russischen Gesandtin, Frau von Uexküll, und derenglischen Gesandtin, Lady Walburga Paget. Frau von Uexküll war inerster Ehe mit dem Legationssekretär von Glinka verheiratet gewesen, hattesich aber von ihm scheiden lassen, um seinen Chef, den Gesandten Uexküll,zu heiraten. Lady Paget hatte die Baronin Uexküll schon als Frau vonGlinka viele Jahre gekannt, verlangte aber, daß sich diese, nachdem sienunmehr ihre Kollegin geworden sei, ihr noch einmal vorstellen lassenmüsse, was Frau von Uexküll als eine Demütigung ablehnte. Lady Paget, eine Preußin, eine Gräfin Hohenthal, war übrigens allgemein unbeliebt. Wie