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4 (1931) Jugend- und Diplomatenjahre
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ZAR PAUL

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Majestät zu sagen, daß der Kommandant in der Nacht plötzlich gestorbensei. Darauf Kaiser Paul:Einen neuen ernennen und den einsperren!

Um dem englischen Gesandten in Petersburg zu imponieren, hatte KaiserPaul ihn eingeladen, einer Dienstübung beizuwohnen, die er mit seinemLeibhusarenregiment auf dem Petersburger Marsfeld abhalten wollte.

Der Zar setzte sich an die Spitze seines Regiments und kommandierte:

Galopp! Karriere! Marsch! Marsch! Er selbst sprengte vor, da er abereine sehr dünne Stimme hatte, war sein Kommando von dem Regiments-kommandeur nicht verstanden worden, und das Regiment blieb ruhigstehen. Als der Zar sich umsah, war er allein auf weiter Flur. Erst einigeZeit später fand sich höhnisch lächelnd der Lord bei ihm ein. In seiner Wutritt Kaiser Paul auf das Regiment zu und kommandierte:In Zügen rechtsschwenkt marsch nach Indien! Der Kommandeur hatte die Geistes-gegenwart, den Befehl zu wiederholen und in einer beliebigen Richtung los-zumarschieren. Kaiser Paul kletterte auf einen möglichst hohen Turm undverfolgte mit Hilfe eines Fernrohres das marschierende Regiment, so langeihm dies möglich war. Nach achtundvierzig Stunden hatte er den ganzenVorfall vergessen, und die Leibhusaren kehrten still in ihre Kaserne zurück.

Schon Herzog Georg von Strelitz machte mich darauf aufmerksam, daßKaiser Paul im russischen Volke beliebt war und bei ihm ein gutes Andenkenhinterlassen hatte. Trotz aller seiner Sonderbarkeiten und obwohl er einTyrann war, der beispielsweise verlangte, daß, wenn er vorbeikam, jederPassant vor ihm niederknien mußte, auch im Schnee, auch im Dreck. Inder Tat wurde noch lange nach seinem Tode in der Erbgruft der Romanows in der Peter-Pauls-Kirche kein Zarensarg vom Volke so ständig und liebe-voll bekränzt wie der des Kaisers Paul. Ich selbst habe gerade vor diesemSarge oft fromme Muschiks knien, beten und sich bekreuzigen sehen.

Als im neunten Jahrhundert die Slawen in der Gegend von Nowgorod nach und nach in fast völlige Anarchie verfallen waren, schickten sie eine Die Ver-Deputation zu den normannischen Warägern und ließen ihnen sagen:Wir schwörung desbewohnen ein schönes und reiches Land. Aber wir können uns selbst nicht UTa J en ° enregieren. Kommt und herrscht über uns. So war es zu Beginn der russischenGeschichte, so blieb es unter Iwan dem Schrecklichen, unter Peter demGroßen, unter der großen Katharina und unter Kaiser Nikolaus I. So ist esauch heute unter bolschewistischer Herrschaft. Plus Qa change, plus cestla meme chose. Das russische Volk will mit harter Faust regiert werden.

Nicht nur der Herzog Georg von Strelitz und der Herzog Georg Leuchten-berg, sondern in späteren Jahren auch der Großfürst und die GroßfürstinWladimir haben mir mit Unbefangenheit gesagt, daß die Gemahlin desKaisers Paul, die Kaiserin Maria Feodorowna, eine württembergischePrinzessin, und sein ältester Sohn, der nachmalige Kaiser Alexander I. , um