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die Verschwörung gegen den Kaiser gewußt und sie nicht verhindert hätten.„L’empereur s’etait rendu tellement insupportable que tout le mondedesirait sa suppression.“ Die eigentliche Seele dieser Verschwörung warder Günstling des Kaisers, der General der Kavallerie, Generaladjutant,Gouverneur von Petersburg und Minister des Äußern Graf Peter LudwigvonPahlen, ein baltischer Edelmann. Dieser sah schon seit einigen W ochenvoraus, daß es mit Seiner Majestät nicht mehr lange gehen würde, undschrieb an den russischen Gesandten in Berlin, als er ihm einen sehrexzentrischen Befehl des Monarchen zu übermitteln hatte: „Voilä lesordres de Sa Majeste. Vous ferez bien de ne pas vous presser ä les executer,car la sante de notre Auguste Maitre laisse, helas, ä desirer, et les dessinsde la divine Providence sont impenetrables.“ Nachdem Pahlen aus jüngerenOffizieren, Fähnrichen und Kadetten eine Stoßtruppe gebildet hatte,führte er sie nachts vor das kaiserliche Palais, ließ ihnen in seiner Eigen-schaft als Gouverneur der Hauptstadt die Tore öffnen und dem Schicksalseinen Lauf. Er selbst hielt in großer Uniform mit dem blauen Band desAndreasordens vor dem Eingang des Palais. Mißglückte der Anschlag, sowollte er durch die halbe Kompagnie, die er zu eigener Verfügung zurück-behalten hatte, die Verschwörer verhaften lassen und sie dem Zaren aus-liefern, der seinen Diener loben würde. Gelang der Coup, so hoffte Pahlenals der erste seine Früchte zu pflücken. Der Coup gelang. Als Kaiser Paulin der Nacht Lärm hörte, Geschrei auf den Korridoren, Pistolenschüsseund das Aufstoßen von Gewehrkolben, verkroch er sich, feige, wie es meistTyrannen sind, unter sein Bett. Die Verschwörer stießen mit Degen undBajonetten so lange nach ihm, bis er herauskam und an den Bettpfostengebunden werden konnte. Dann ließen sie durch einen der Ihrigen denGrafen Pahlen fragen, was mit dem Zaren geschehen solle. Pahlen ant-wortete: „Pour faire une Omelette il faut casser les ceufs.“ Die Verschwo-renen verstanden den zarten Wink. Sie schlangen um den Hals des zittern-den Autokraten eine Offiziersschärpe. An dem einen Ende zog Graf Subow,der letzte Amant der Mutter des Kaisers Paul, der großen Katharina, amanderen Ende der General ä la suite Ouschakow. Die Eier wurden zer-brochen. Kaiser Paul wurde supprimiert.
Im russischen Volk, das, wie schon gesagt, dem Kaiser Paul ein pietät-Legende um volles Andenken bewahrt, war, wie mir die Großfürstin Wladimir weiterAlexander I. erzählte, lange der Glaube verbreitet, daß Kaiser Alexander I., der aufeiner Reise nach Südrußland im Dezember 1825 in Taganrog starb, inWirklichkeit noch viele Jahre gelebt habe. Er habe aus Reue über seineBeteiligung an der Ermordung seines Herrn Vaters beschlossen, sich demgeistlichen Stand zu widmen. Zu diesem Zweck habe er die Leiche eineszufällig verstorbenen Kosaken in einen mit der Kaiserkrone geschmückten
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