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4 (1931) Jugend- und Diplomatenjahre
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BISMARCKS PfcRE JOSEPH

nicht darauf einlasscn wird. Er wird sich sagen, daß, sobald er uns denBesitz von Elsaß-Lothringen garantiert, Rußland die Trumpfkarte aus derHand gibt, mit der es, so lange die Franzosen hoffen können, mit russischerHilfe früher oder später unsere Reichslande wiederzubekommen, in Frank-reich jeden Stich machen kann, welche auch die französische Regierungs-form sein möge, die große Karte, die gegenüber jeder französischen Re-gierung und jeder französischen Partei immer sticht und gewinnt. 3.Inacht bis vierzehn Tagen wird Kaiser Alexander II. mit Gortschakow inBerlin erwartet. Bismarck hat Andrässy cingeladen, während der An-wesenheit des Zaren und des Fürsten Gortschakow nach Berlin zu kommen,um persönlich Fühlung mit den Moskowitern zu nehmen. Die AndrassyscheNote vom 30. Dezember soll die Basis bilden, auf der man zu einempraktischen Ausgleich zwischen der Pforte und den Insurgenten und damitzur endlichen Beruhigung in der Herzegowina zu kommen hofft. 4.Wirwerden uns an den bevorstehenden russisch -österreichischen Besprechungennicht unmittelbar beteiligen. Wir erklären aber schon jetzt, daß wir unseremoralische Unterstützung jeder friedlichen Lösung gewähren werden, überdie unsere russischen und österreichischen Freunde sich einigen. DasEinvernehmen zwischen Rußland und Österreich ist und bleibt die Voraus-setzung für jede verständige, das heißt für eine friedliche Regelung derOrientalischen Frage. Unsere Aufgabe besteht darin, ein solches Einver-nehmen unter Berücksichtigung der allgemeinen europäischen Verhältnissein jeder Weise zu fördern.

Über meine persönliche Zukunft sagte mir mein Vater, er habe eigentlichFritz beabsichtigt, mich an die Pariser Botschaft zu versetzen, dieser sein Wunsch.Holstein sei aber von Holstein durchkreuzt worden.Wer ist eigentlich Hol-stein? frug ich meinen Vater.Ich kenne ihn so gut wie gar nicht, habeihn nur einmal bei Herbert getroffen und ein anderes Mal abends bei derFürstin Bismarck. Wir haben kaum zusammen gesprochen. Mein Vaterantwortete:Wer Holstein ist? Ja, mein guter Peter (als ich ein kleinerJunge war, nannte mich mein Vater scherzweise, besonders wenn er platt-deutsch mit mir sprach, Peter), diese Frage ist nicht so leicht zu beant-worten. Fritz von Holstein kam als blutjunger, noch ganz imfertiger Menschals Attache zu Bismarck nach Petersburg . Seitdem spielt er bei unsermgroßen Mann die Rolle, die bei einem andern großen Mann, bei Richelieu,der Pere Joseph gespielt haben soll. Nach einer kurzen Pause fügte meinVater hinzu:Mir ist Holstein im Grunde unheimlich. Ich habe das auchBismarck gesagt und ihn vor Holstein gewarnt. Der Fürst meinte, er müsseeinen Menschen haben, auf den er sich ganz und gar verlassen könne. Alsich replizierte, er wisse doch, daß er sich auf mich verlassen könne, meinteder Fürst lächelnd: ,Ja, aber nur für das Gute! Ich muß aber zuweilen auch