KOKINOS
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Korfu erwartete mich der Wahlkonsul Fels, in dessen Haus ich einengemütlichen deutschen Weihnachtsabend verlebte. Von keinem Teil desdeutschen Volks war die Wiederaufrichtung des Deutschen Reichs, einesstarken Deutschen Reichs, verständnisvoller und freudiger begrüßt wordenals von den Ausländsdeutschen. Die kleinliche Kritik, das doktrinäreBesserwissen und die ganze Narrheit, mit der sich in der Heimat mancheDeutsche die Freude am herrlichen Bismarckschen Reich vergällten,wurde von den Ausländsdeutschen, die von fernen Horizonten aus nurdas Gradlinige und Große der Bismarckschen Schöpfung sahen, kaumbegriffen.
Neben dem Konsul stand ein griechischer Hauptmann. Der Brave hießKokinos. Das Mißtrauen, das mir dieser Name wegen seiner fatalenÄhnlichkeit mit Coquin zunächst einflößte, erwies sich bald als unbegründet.Kokinos war mir während drei Tagen ein unermüdlicher und freundlicherFührer durch Korfu. So jugendfrisch wie in den Tagen der Nausikaa lagKorfu nicht mehr vor den Augen des Besuchers. Aber noch hatte keinemelancholische Kaiserin Elisabeth dort das Achilleion erbaut und in diesemSchloß ihrem imglücklichen Sohn und ihrem Lieblingsdichter HeinrichHeine Denkmäler errichtet. Noch hatte Kaiser Wilhelm II. die Insel derPhäaken nicht mit seiner Unruhe, mit seiner immer zu zahlreichen Suiteund seinen nicht immer glücklichen architektonischen Einfällen be-sucht. Der brave Kokinos führte mich durch Olivenhaine, wie ich sie soüppig noch nicht gesehen hatte, über grüne Wiesen, an deren Rainen derAsphodelos blühte und duftete, nach der Landzunge Canone. Er wies mirdort die Stelle, wo Ihre Königliche Hoheit die Prinzessin Nausikaa geruhthatte, sich des Königs von Ithaka anzunehmen, der splitternackt, in Er-mangelung aller Kleidungsstücke nur einen laubichten Zweig vor sichhaltend, ihr entgegentreten und eine wohlgesetzte Anrede an sie haltendurfte, die gnädig aufgenommen wurde. Es waren glückliche Zeiten. DerHauptmann Kokinos zeigte mir mit der frommen Gläubigkeit, mit der inItalien Reliquien und auf der Wartburg der von Dr. Martinus Luther her-rührende Tintenfleck gezeigt werden, das Phäakenschiff, das Poseidon zurStrafe für die Rettung des bei dem Meergott schlecht angeschriebenenOdysseus im Angesicht der sehr erschrockenen Phäaken versteinert hatte.Dieses Phäakenschiff ist im Laufe der Jahrhunderte ein reizendes, mit denherrlichsten Zypressen bewachsenes Inselchen geworden, das Pontikonisi,Mäuseinsel, heißt.
Konsul Fels und Kokinos brachten mich nach mehrtägigem Aufenthaltauf Korfu wieder auf ein Schiff, diesmal auf einen Triester Lloyddampfer,und weiter ging die Fahrt. Paxos kam in Sicht. Ich gedachte der Sage vomTode des Pan. Es war in den Tagen des Tiberius, als ein griechisches