MAC MAHON VERWECHSELT ANSPRACHEN
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in Paris erzählt wurden. Einem schwarzen Eleven der Offiziersschule inSt-Cyr , der ihm bei einer Besichtigung als besonders tüchtig vorgestelltwurde, soll er gesagt haben: „C’est vous le negre? Tres bien. Continuez,mon ami, continuez!“ Bei einer Flottenrevue in Toulon soll er langeauf das Mittelmeer geblickt und schließlich ausgerufen haben: „Que d’eau!
Que d’eau!“ Am meisten belacht wurde eine Bemerkung, die er bei demBesuch eines Militärkrankenhauses am Bett eines Typhuskranken gemachthatte. „Fievre Typhoide ? Mauvaise affaire, tres mauvaise affaire! Unhomme en meurt ou il reste idiot pour le reste de sa vie. J’en saisquelque chose. J’ai eu la fievre typhoide en Algerie.“ Auch von demtrefflichen Großherzog Karl Alexander von Weimar, der gebildeter warals Mac Mahon , aber ebenso redlich, werden ähnliche Aussprüche erzählt.
Mit dem Marschall Mac Mahon Politik zu machen, war für seine Ministernicht leicht. Ein kleines Beispiel: Einige der Regierung nahestehende Eine Bc-Pariser Zeitungen hatten sich Deutschland und der deutschen Regierung schwerdegegenüber eine ungewöhnlich gehässige Sprache erlaubt. Fürst Hohenlohe beim ^ erzo Shatte sich bei dem Minister des Äußern, dem Duc Decazes , beschwert unddarauf hingewiesen, daß Fürst Bismarck sich derartige Injurien auf dieLänge nicht gefallen lassen werde. Decazes hatte beschwichtigend ge-antwortet, der Marschall-Präsident würde dem deutschen Botschafterpersönlich sein Bedauern aussprechen, wenn dieser ihm die Ehre erweisenwolle, beim Grand Prix de Paris in seiner Loge sein Gast zu sein. In derTat ging, als Hohenlohe in der Präsidentenloge erschien, der Marschallsofort mit ernstem, feierlichem Gesicht auf ihn zu. „Croyez-moi“, sagte erzu Hohenlohe, „je suis legitimiste dans l’äme. J’ai commence ma carrieremilitaire en servant le bon roi Charles X. Ma famille a toujours ete fidele auxBourbons. Je ne les ai pas oublies. Mais les difficultes, les necessites politi-ques! II faut marclier lentement, tres doucement.“ Fürst Hohenlohe verlorauch hier nicht seine gewohnte Ruhe. Er konnte sich aber doch nicht ent-halten, dem Duc Decazes zu sagen, daß diese Ansprache des Präsidentender Republik nicht ganz seinen Erwartungen entsprochen habe. „Lecretin!“ stöhnte Decazes. „II vous a dit ce qu’il devait dire ä Mr. de Carayon-Latour, le chef de ceux qu’on appelle les chevaux legers, le chef du parti deslegitimistes purs, qu’il fallait calmer et rassurer. Je suppose que le Marechalaura exprime ä Mr. de Carayon-Latour ses regrets pour les attaques quecertains journaux dirigent contre le Prince de Bismarck.“
Der gute Marschall neigte überhaupt zu Verwechslungen. Als er am4. Juni 1859 auf dem Schlachtfeld zum Herzog von Magenta ernannt wurde,meldete er diese gute Nachricht telegraphisch seiner Gattin und Unter-zeichnete: „Malakoff.“ Er verwechselte in seiner freudigen Erregung denMalakoffturm mit dem Schlachtfeld von Magenta. Die Marschallin war eine