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4 (1931) Jugend- und Diplomatenjahre
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HERBERT BISMARCKS LIEBESKONFLIKT

Als der Deutsch -Französische Krieg ausbrach, ließ ihn sein Kommandeurals für den Felddienst untauglich in der Garnison bei der Ersatzschwadronzurück. Nach der Übergabe von Straßburg gelang es Phili, durch seineFamilienbeziehungen dem zum Generalgouverneur des Elsaß ernanntenGrafen Friedrich Alexander von Bismarck-Bohlen attachiert zu werden.Hier bewies er zum ersten Male seine ungewölinliche Gabe der Menschen-behandlung. Er gewann bald Einfluß auf seinen biederen Vorgesetzten, derihm, was damals selten vorkam, obwohl Phili nie im Feuer gewesen war,das Eiserne Kreuz verschaffte. Nach dem Ende des Krieges gelang es Philimit Hilfe seiner feinen und klugen Mutter, die ihren ältesten Sohn ab-göttisch liebte und die ihrerseits das einzige weibliche Wesen gewesen ist,das er leidenschaftlich geliebt hat, für ihn von dem rauher veranlagtenVater die Erlaubnis zu erwirken, den Küraß der Gardes-du-Corps abzu-legen und sich der Zivilkarriere zuzuwenden. Mit rühmlichem Fleiß ließ ersich (mehrere Jahre nachdem er das Gymnasium verlassen hatte) in Straß-burg immatrikulieren, bestand das Referendarexamen und wurde in dendiplomatischen Dienst aufgenommen.

Seine Schwester Adda, die später den Grafen Karl Kainein heiratete,Elisabeth hatte sich eng an Marie Bismarck angeschlosscn, er selbst schloß sich HerbertCarolath an. Mit dem feinen psychologischen Verständnis, das Phili auszeichnete,operierte er während des Konfliktes, in den Herbert durch seine Leidenschaftfür die schöne Fürstin Elisabeth Carolath mit seinen Eltern geriet, sogeschickt, daß Herbert in ihm den seine Liehe und Liebesschmerzen ver-stehenden Freund erblickte. Fürst und Fürstin Bismarck aber sahen inPhili den geschickten Mittelsmann, der Herbert zum Verzicht auf seineLiebe bewogen habe. Selbst die arme verlassene Elisabeth grollte ihm nicht,weil er ihr gar so schöne und rührende Trostbriefe geschrieben hatte.

In Paris führte mich mein guter Stern mit zwei Altersgenossen zu-Friedrich sammen, die mir lebenslängliche Freunde werden sollten. Beide warenVitzthum Kur- und Ursachsen, wie Fürst Bismarck die Sprossen alter sächsischerAdelsgeschlechter scherzend zu nennen pflegte. Friedrich ReichsgrafVitzthum von Eckstädt, Majoratsherr auf Schön-Völkau, Reibitz undSausedlitz, war ein Edelmann vom Wirbel bis zur Zehe. Der hochgewachseneMann, blondhaarig und blauäugig, sah aus wie ein Herr, und er war einHerr. Er beugte sich vor keinem, aber er war gütig und hilfsbereit für jeden.Er bewegte sich mit derselben Sicherheit auf dem Parkett der Höfe, wie ereiner Kammersitzung präsidierte oder einen landwirtschaftlichen Kongreßleitete. Er war als Botschaftssekretär in Paris und in Petersburg meinKollege, in Bukarest als Legationssekretär mein Untergebener. Als ichspäter Reichskanzler wurde, war er mir'als Präsident der Ersten SächsischenKammer und sächsischer Oberstmarschall eine wertvolle Stütze für meine