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4 (1931) Jugend- und Diplomatenjahre
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BISMARCKS MISSTRAUEN

Manteuffel im Bunde mit denReichsfeinden, den Klerikalen undDemokraten, solche Intrigen unterstütze und daß der alte Kaiser schon insSchwanken geraten sei. Sein Mißtrauen und sein Zorn wurden noch durchein Interview verstärkt, das Gortschakow im Hotel de lEurope in Baden-Baden , seinem Lieblingsaufenthalt im Herbst, einem Franzosen, und nochdazu einem Redakteur des orleanistischenSoleil, also dem Vertreter derBismarck verhaßtesten französischen Richtung, gewährt hatte. Gor-tschakow hatte sich über die Angriffe beschwert, die von der deutschenoffiziösen Presse gegen ihn gerichtet würden, einen mehr als einundachtzig-jährigen Mann, der schon seit vierundzwanzig Jahren die auswärtigerussische Politik leite. Ein von Berlin aus inspiriertes Blatt werfe ihm vor,daß seine Politik auf Stelzen ginge. Solche Injurien verdanke er, Gor-tschakow, ohne Zweifel seiner Freundschaft für Frankreich , aus der erniemals ein Hehl gemacht habe. Er habe schon zu Herrn Thiers und zumHerzog Decazes gesagt, was er auch jetzt den französischen Staatsmännernsage:Seid stark! Das ist für eure eigene Sicherheit und für das europäischeGleichgewicht unerläßlich. Gortschakow hatte dem Franzosen nochgesagt, daß er dem Fürsten Bismarck seine für Rußland unbequemewirtschaftliche Politik in keiner Weise übelnehme, denn die Deutschenhätten das Recht, in wirtschaftlichen Fragen nur auf deutsche InteressenRücksicht zu nehmen.

Uber die Zusammenkunft von Alexandrowo hatte der russische Kanzlerbemerkt:Die beiden Souveräne lieben und schätzen einander sehr, unddies wird gewiß genügen, um manche Schwierigkeiten zu beseitigen und dieleichten Differenzen, die sich hier und da ergeben könnten, auszugleichen.