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4 (1931) Jugend- und Diplomatenjahre
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DIPLOMATIE UND BALLETT

Dynastie selbst, aus Savoyen . Von seinen Sekretären sollte Avarna Bot-schafter in Wien, Bollati Botschafter in Berlin werden. Beide vorbildlichpflichttreue, kluge und geschickte Diplomaten. Eine originelle Figur war derHerzog spanische Botschafter, der Herzog Fernan Nunes. Von Gehurt Italiener,von Nunes aus dem lombardischen Adelsgeschlecht Falco dAdda, hatte er durch seineHeirat mit einer reichen spanischen Erbin die spanische Staatsangehörig-keit und mit ihr die spanische Grandezza erworben. Er interessierte sichlebhaft für junge Damen vom Ballett.Jaime, pflegte er zu sagen,äproteger les beaux arts. Da seine Gattin zwar sehr vornehm, aber sehrhäßlich war, wurden ihm seine kleinen Seitensprünge nicht übelgenommen.Für Politik interessierte er sich gar nicht. Als ich, drei Tage nachdem Gam-betta die Regierung übernommen hatte, mit Fernan Nunes bei dem Prinzenvon Wales frühstückte, stellte sich heraus, daß der spanische Botschaftervon der Bildung des Ministeriums Gambetta noch nichts wußte, was denPrinzen von Wales köstlich amüsierte.

Ich habe als Diplomat immer dem Grundsatz gehuldigt, auch die Ver-treter kleinerer Länder zu frequentieren, da man von ihnen, die geringeremMißtrauen begegnen, oft die besten und sichersten Nachrichten erhält. Vierdieser Herren waren zu mir besonders gütig: der dänische Gesandte, GrafMoltke-Hvitfeld, war nicht gerade deutschfreundlich, aber in Erinne-rung an alte Beziehungen zu meinem Vater kam er mir liebenswürdig ent-gegen. Dem griechischen Gesandten, Brailas-Armeni, hatte mich derKönig Georgios empfohlen. Der niederländische Gesandte, Baron Zuy len,war Deutschland wohlgesinnt, ebenso wie seine streng kalvinistische Frau.Im Hause des brasilianischen Gesandten, des alten Vicomte Itajuba ,wurde ich als Verwandter aufgenommen, denn seine schöne Tochter Olgahatte den jüngsten Bruder meiner Mutter, den Senator Alfred Rücker*geheiratet.

Die interessanteste Erscheinung im Diplomatischen Korps war für michMonsignore der päpstliche Nunzius, Monsignore Czacki. Er entstammte einer alten,Czacki jjj Wolhynien ansässigen polnischen Adelsfamilie, war aber, wie dies bei denim Dienst der Kurie stehenden nichtitalienischen Prälaten regelmäßig derFall zu sein pflegt, völlig romanisiert. In einem seiner reizendsten Romane,demAnneau dAmethyste, hat Anatole France ein meisterhaftes Porträteines päpstlichen Nunzius entworfen, des Monsignore Cima:A quaranteans il avait Iair dun adolescent malade. Quand il baissait les yeux, sa faceetait celle dun mort. Le coude droit dans la main gauche et la joue reposantinclinee dans le creux de la main droite, il avait une gräce presque funebrequi rappelait certaines figures de bas-reliefs antiques. Son visage au reposetait voile de melaucholie. Lon disait a Rome quil avait le mauvais oeil.Dieses Porträt paßte in manchen Zügen auf Monsignore Czacki. Namentlich