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4 (1931) Jugend- und Diplomatenjahre
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DIE FREMDENLEGION

Frankreichs unerschöpfliches Reservoir für kräftige, zähe, kampflustige Soldaten. EsTruppen- k omrae nur darauf an, diesen Soldaten kühne und harte Führer zu geben.reservoir ^ enn §j e r die Befriedigung der sexuellen Bedürfnisse des Afrikanerssorgen und ihm Offiziere geben, die ihn mit dem Revolver in der Handdirigieren und führen, so können Sie die Hölle mit ihm stürmen. An dieseUnterredung während unseres Wüstenrittes, an dieforce noire de la Francehabe ich oft zurückgedacht, wenn ich die selbst von deutschen Militärs undinsbesondere von Kaiser Wilhelm II. gehegte falsche Ansicht bekämpfte,daß die Ausdehnung des nordafrikanischen französischen Besitzes fürFrankreich militärisch eher schädlich als nützlich sei. Wie mein geistlicherFreund in Constantine hielten auch meine militärischen Wüstenbegleitereinen ernstlichen, gefährlichen Aufstand in Algier wie in Tunis für so gutwie ausgeschlossen. Der militärische Wert der Fremdenlegion wurde vonallen Franzosen, denen ich begegnete, den Offizieren sowohl wie denBeamten, sehr hoch eingeschätzt. Natürlich müßten dieseenfants perdusde la civilisation moderne einer eisernen Disziplin unterworfen werden.Aber bei energischer Führung seien sie ebenso leistungsfähig wie dieLandsknechte des Mittelalters. Die französische Fremdenlegion solltedamals an zwanzigtausend Mann zählen. Es wurde angenommen, daßmindestens fünfzig Prozent der Legionäre Deutsche waren. Nach alterfranzösischer Tradition wurde die Legion mit Vorliebe als Kanonenfutterverwendet. Das Wüstenklima mit seiner furchtbaren Sommerhitze undempfindlichen Winterkälte dezimiert die Reihen der Legionäre. Der jährlicheGesamtverlust der Fremdenlegion soll siebzig Prozent betragen.

Algier , wo ich meine afrikanische Reise beendigte, war nach KarthagoAlgier und nach der Wüste fast eine Enttäuschung für mich. Jedenfalls erfüllte dieWeiße Stadt nicht die Erwartungen, welche die Lektüre desSemilasso des Fürsten Pückler-Muskau in mir erweckt hatte. Aber auch in Algier lernte ich einen nicht uninteressanten Mann kennen. Der deutsche Konsul,Julius Fröbel Dr. Julius Fröbel , machte einen bescheidenen, schüchternen, fast ängst-lichen Eindruck. Niemand hätte ihm die bewegte, ja stürmische Vergangen-heit angesehen, auf die der achtzigjährige Mann zurückblickte und aus derzu lernen war, daß es in der viel verhöhnten Biedermeierzeit mehr echteRomantik gab als in der wohl vernünftigeren, aber auch banaleren Gegen-wart. Julius Fröbel war von seinem Onkel Friedrich Fröbel , dem bekanntenPädagogen und Gründer der Kindergärten, in Keilhau bei Rudolstadt erzogen worden. Von Keilhau ging er nach Zürich , wo er die Professur derMineralogie an der Hochschule erhielt. Als er das Züricher Bürgerrechterworben hatte, gab er seine Professur auf und stellte sich an die Spitze derradikalen Partei der Limmatstadt. Er gründete dasLiterarische Comtoir,in dem die revolutionären Schriften erschienen, die in Deutschland von der