„DEN MUTBESEELTEN GEISTERN“ 561
Und oftmals bei dem Klang der Totenglocke,
Beim Liede, das geleitet
Den Menschen hin zu des Vergessens Auen,
Da hört man ihn mit SeufzernDen Glücklichsten beneiden,
Den er so sieht von dieser Erde scheiden.
Sogar das Volk, das roh und unbelehret,
Der Landmann, unerfahren
Der Tugenden, die Bildung nur bescheret,
Das Mägdlein auch, dem sonst der Mut zu schwinden
Beginnt beim bloßen Nennen
Des Todes mit emporgesträubten Haaren:
Es wagt, aufs Grab und auf des Todes BindenDen Blick zu richten, fest und standhaft EisenUnd Gift erwägt es, ruhig,
Gefaßt nun lange Stunden,
Und klar wird ihm die Schöne
Des edlen Tods im Geiste, dem unweisen,
So sehr erzieht zum Tod die MenschensöhneDer Liebe Zucht. Und oft, wenn schier unsäglichHerangewachsen ist die Qual im Herzen,
Daß ird’scher Kraft sie nimmer deucht erträglich,
Dann weicht dem Stoß der SchmerzenDer schwache Leib und obsiegt solcherweiseDie brüderliche Macht des Todes — oderSo stark ist im Gemüt der Sporn der leiseDes tiefen Liebesdranges, daß gewaltsamMit ihren eigenen Händen
Der rohe Landmann und das schwache MägdleinIhr ird’sches Los vollenden unaufhaltsam.
Die Welt bespöttelt solches Los — sei FriedenUnd hohes Alter ihr doch stets beschieden!
Den heißen, den beglückten,
Den mutbeseelten Geistern
Gewähr das Schicksal einen von euch beiden,
Willkommen Herrn und MeisternUnd Freunden dieser Menschheit,
Die nichts im All an Macht so kann erreichenAls das Verhängnis. Du, den vom BeginnDes Lebens an ich rufe stets und ehre,
Mit wandellosem Sinne,
Du, holder Tod, der einzig
Mitleidig auf dies Dasein blickt, das schwere,
Wenn je du dich gepriesen
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36 Bülow IV