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4 (1931) Jugend- und Diplomatenjahre
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TOD UND LEBEN

Von mir empfindest, wenn, Göttlicher, dich jemals

Ich zu cntschädgen strebte

Für Undank, den dir schnödes Volk erwiesen,

0 säume nicht mehr, komm mit raschen SchrittenUnd schließe diesem Lichte,

Nun endlich weichend längst entwöhnten Bitten,

Mein düstres Aug, o Herrscher dieses Lebens!

Wann immer ich nicht flehe mehr vergebensUnd du zu mir herniedersenkst die Schwingen

Gewappnet, hoch die Stirn,

Wirst du mich finden, mutvoll stets begegnendDem Schicksal, nie die Hand, die ich in meinemUnschuldigen Blute färbt und mich getroffenMit Geißelschlägen, rühmend oder segnend,

Wie Sklavensinn der Menschen tut seit lange,

Abscliüttelnd jedes Hoffen, womit die Welt, die bange,

Sich kindisch tröstet, jede

Beschwichtigung, vom Schicksal nichts erwartendAls dich und heiter stets entgegensehendDem Tag, wo nach erfülltem LehensloseMein Haupt zur Ruh sich legt in deinem Schoße.

Unter diese herrlichen Verse hatte die Gräfin Marie mit fester Handgeschrieben:Ohne Dich lieber den Tod, mit Dir lieber das Leben.