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4 (1931) Jugend- und Diplomatenjahre
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EIN STERN DER PETERSBURGER GESELLSCHAFT

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johanneiscli genannt. Der Orthodoxe ist weich und nachgiebig, er möchteMillionen umschlingen und die ganze Welt küssen. Als ich ein ungläubigesLächeln nicht unterdrücken konnte, fuhr Pobjedonoszew mit erhobenenArmen und mit dem schwärmerischen Blick des von seiner Mission durch-drungenen Apostels fort:Es ist so! Es ist wirklich.so! Sehen Sie doch, wiesich Millionen Rechtgläubiger durch die listigen Jesuiten zur Union mit derrömischen Kirche und damit zur Untreue gegen ihre eigene Kirche habenverführen lassen! Welche Mühe müssen wir uns geben, um sie wieder fürunsere Kirche zu gewinnen! Sehen Sie, wie Hunderttausende russischerBauern,weil ihnen einige Exemplare eines protestantischen Andachtsbuches,der von Heinrich Zschokke verfaßten ,Stunden der Andacht 1 , in die Händegefallen waren, von der Orthodoxie abfielen und eine Sekte gründeten, dieStundisten, die uns noch heute zu schaffen machen, die wir vor Gott , demZaren und Rußland die Verantwortung für die Glaubenseinheit undGlaubensreinheit des russischen Volkes tragen. Der Russe ist so weich an-gelegt und so nachgiebig, daß nur mit konsequenter Strenge, wenn es seinmuß mit Härte, die von Gott gewollte religiöse Einheit Rußlands ver-teidigt, aufrechterhalten und gesichert werden kann.

Mein Chef, General von Schweinitz, hatte recht gehabt, mich auf diegroße gesellschaftliche und damit nach Lage der Dinge auch politische GräfinStellung hinzuweisen, die im alten Petersburg die Frauen einnahmen. Die Kleinmichlerste Leading Lady, die ich kennenlernte, war die Gräfin Marie Klein-michl, geborene Gräfin Keller. Tochter eines deutsch- russischen Vatersund einer serbisch- polnischen Mutter, war sie ganz und gar und nurPetersburgerin. Nur die Petersburger Luft bekam ihr. Nur in Petersburg war ihr wirklich wohl. Nur Petersburger Vorgänge interessierten sie. Es warspäter eine grausame Fügung des Schicksals, daß diese kluge und liebens-würdige Frau durch die Bolschewisten gezwungen worden ist, ihr Leben imAusland zu beschließen, nachdem man ihr ihre Güter, ihr PetersburgerPalais und ihr Landhaus auf den Inseln, ihre Datsche, geraubt und siebuchstäblich bis aufs Hemd ausgezogen hatte. Damals, 1884, glänzte sienoch als Stern am gesellschaftlichen Himmel. Ich habe aus ihrer Kon-versation manches gelernt. Sie machte mir klar, daß Rußland im Kerndemokratisch wäre. Ein kleines Beispiel: Sie hatte sich mit ihrem Schwager,einem Grafen Kleinmichl, überworfen, dagegen stand sie gut mit einemVetter, einem Fürsten Dolgorukij. Beide bewarben sich um das Amt desAdelsmarschalls in ihrem Kreise. Die Gräfin Kleinmichl lud die einfluß-reichsten Adligen des Kreises zu sich ein. Sie sagte ihnen:Ihr steht vorder Wahl zwischen einem Kleinmichl und einem Dolgorukij. Es ist mirpeinlich, es euch sagen zu müssen, aber die Wahrheit ist, daß die FamilieKleinmichl von einem finnischen Lakaien abstammt, während die Dolgorukijs