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4 (1931) Jugend- und Diplomatenjahre
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HERR UND DIENER

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Wenn mich Fürst Bismarck am Abend des 31. März 1885 an die Heldender deutschen Sage, an Dietrich von Bern und an Hagen von Tronje erinnert hatte, so glich er bei dem Empfang in seinem Hause in seinerSchlichtheit und Natürlichkeit einem tüchtigen und aufrechten ostelbischenJunker, dem an seinem Ehrentage, zu seinem fünfundzwanzigjährigenDienstjubiläum als Landrat oder zu seiner silbernen Hochzeit Nachbarnund Freunde seines Heimatkreises gratulieren. Unter den Gratulanten vom1. April 1885 gefiel mir am besten der Generaloberst von Pape, der Heldvon Saint-Privat. Er mußte im Namen aller Anwesenden das Hoch aufden Jubilar ausbringen. Alles Nichtmilitärische lag ihm so fern, daß er inseiner Rede den Fürsten Bismarck statt Reichskanzler immer nurunsernHerrn Staatskanzler nannte, wohl in Reminiszenz an Hardenberg, dessenName noch seiner Kindheit geklungen hatte. Er sprach ohne rednerischenSchmuck, olme Pointen, ohne Phrasen. Aber er sprach mit derselbenruhigen Stimme, mit der er beim Sturm auf Saint-Privat die preußischeGardeinfanterie kommandiert hatte.

In einem Handschreiben, das Kaiser Wilhelm I. unter Übersendung einerKopie des Wernerschen BildesDie Kaiserproklamation in Versailles anFürst Bismarck richtete, hieß es:Es ist Mir ein tiefgefühltes Bedürfnis,Ihnen heute auszusprechen, wie hoch cs Mich erfreut, daß ein solcher Zugdes Dankes und der Verehrung für Sie durch die Nation geht. Es erwärmtMir das Herz, daß solche Gesinnungen sich in so großer Verbreitung kund-tun, denn es ziert die Nation in der Gegenwart, und es stärkt die Hoffnungauf ihre Zukunft, wenn sie sich erkenntlich für das Wahre und Große zeigtund wenn sie ihre hochverdienten Männer feiert und ehrt. Sie, mein lieberFürst, wissen, wie in Mir jederzeit das vollste Vertrauen, die aufrichtigsteZuneigung und das wärmste Dankgefühl für Sie leben wird! Ihnen sage Ichdaher mit diesem Brief nichts, was Ich Ihnen nicht oft genug ausgesprochenhabe, und Ich denke, daß dieses Bild noch Ihren späteren Nachkommenvor Augen stellen wird, daß Ihr Kaiser und König und seinHaus sich dessenwohl bewußt waren, was Wir Ihnen zu danken haben. Mit diesen Gesinnungenund Gefühlen endige Ich diese Zeilen, als über das Grab hinausdauernd,Ihr dankbar treu ergebener Kaiser und König Wilhelm.

Wenn Bismarck einmal gemeint hat, er habe seinen Namen dauernd indie Rinde der deutschen Eiche eingeschnitten, so kann von diesem Briefseines edlen Herrn aD ihn gesagt werden: er ist für alle Zeiten eingeschriebenin das Herz jedes Deutschen, der diesen Namen verdient. Mit Stolz kannsich das deutsche Volk rühmen, daß die innige Freundschaft, die zwischenseinen beiden größten Dichtern, zwischen Goethe und Schiller, bestandenhat, einzig ist. Aber ebenso einzig ist das im tiefsten Grunde und im

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