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DER RÜCKVERSICHERUNGSVERTRAG
Russisch-
deutsche
Verhand-
lungen
zu Deutschland in ein neues Vertragsverhältnis zu treten. Als ich diesdem Fürsten Bismarck gemeldet hatte, erhielt ich sofort eine direkteAntwort von ihm, die er, was selten vorkam, seihst unterzeichnet hatte.Er begrüßte mit Freuden die mir gewordene Eröffnung des GroßfürstenWladimir und wies mich an, diesen nützlichen Faden weiterzuspinnen. DerBotschafter von Schweinitz (der sich seit einigen Wochen auf Urlaubbefand) werde bald auf seinen Posten zurückkehren, vorher aber von ihmin Friedrichsruh für die weitere Behandlung des erfreulichen Vertrags-gedankens mit eingehenden Instruktionen versehen werden. Diese Vertrags-verhandlungen sind, wie ich vorgreifend erwähne, zunächst in Petersburg zwischen Schweinitz und Giers, dann in Berlin zwischen Bismarck Vaterund Sohn einerseits und dem russischen Botschafter in Berlin PaulSchuwalow andrerseits geführt worden. Graf Paul Schuwalow war derBruder des von mir in der Zeit des Berliner Kongresses öfters erwähntenGrafen Peter Schuwalow und wie dieser und die meisten vornehmen Alt-russen konservativ und deutschfreundlich gesinnt. Die in Rede stehendenVerhandlungen haben zum Abschluß des viel erörterten sogenanntenRückversicherungsvertrages geführt, dessen Kündigung durchWilhelm II., Caprivi, Marschall und Holstein, die mit der Verabschiedungdes Fürsten Bismarck zusammenfiel, ein fürchterlicher Fehler war.