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4 (1931) Jugend- und Diplomatenjahre
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KOLLEGEN IN BUKAREST

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auf ihn verpflichtet. Nachdem das erreicht war, hatte ich die Aufgabe,zwischen uns und Rumänien einen Handelsvertrag zustande zu bringen.

Dabei hatte ich auch gegen die Intrigen der Österreicher zu kämpfen, diees nicht gern sahen, daß wir in den von ihnen bisher beherrschten rumäni-schen Markt eindrangen. Ein vortrefflicher Mitarbeiter war mir bei denVerhandlungen, die zum Abschluß des Handelsvertrages führten, derdamalige Legationssekretär Mumm, der spätere Gesandte in Peking undBotschafter in Tokio .

Mein schon erwähnter französischer Kollege Monsieur Coutouly pflegtezu sagen:Bucarest est le tremplin des ambassadeurs. (Das Sprungbrett Sir Frankfür Botschafter.) In der Tat sind mein englischer Kollege Lascelles, der Lascellesitalienische Gesandte Curtopassi und meine Wenigkeit von Bukarest ausBotschafter geworden, der österreichische Gesandte Graf Goluchowski sogar Minister des Äußern. Lascelles ist mir für mein ganzes Leben eintreuer Freund geblieben. Als ich Staatssekretär des Äußern wurde, trafich ihn als englischen Botschafter in Berlin wieder. In Bukarest bin ich oftmit seiner Tochter Florence, die damals ein Kind war, auf derChaussee,der Avenue du Bois de Boulogne der rumänischen Hauptstadt, spazieren-gegangen. Als das gute Kind später den klugen englischen DiplomatenSpringrice heiratete, brachte ich bei dem Hochzeitsessen den Trinkspruchauf die Neuvermählten aus. Meine Beziehungen zu Goluchowski warenebenso freundschaftlich. Graf Agenor Goluchowski war damals ein über- Graf Agenorzeugter und sehr eifriger Anhänger des Dreibunds und namentlich der Goluchowski Anlehnung an Deutschland, denn er sah noch in Rußland den Hauptfeindder Polen . Später ist bei ihm der Pole unverhüllt herausgekommen. AlsBethmann Hollweg in einer Stunde der Verblendung Polen wiederhergestellthatte, erinnerte sich, wie alle Polen , auch Graf Goluchowski daran, daß esschöne und fruchtbare deutsche Provinzen gebe, die einst zu Polen gehörthatten, fuhr nach Warschau und beriet dort seine Landsleute in deutsch-feindlichem Sinne.Rußland ist erledigt, so predigte er ihnen,wirhaben nur noch einen einzigen Gegner, und das ist Deutschland .

Der russische Gesandte in Bukarest , Hitrowo, gehörte zu jenen russi-schen Balkandiplomaten, die im Orient mit denselben terroristischen HitrowoMitteln operierten wie die Nihilisten in Rußland. Er organisierte vonBukarest aus Komplotte und Attentate in Bulgarien und suchte auch inRumänien selbst Unruhe zu stiften. Seine Frau, eine liebenswürdige undfein gebildete Dame, war die Nichte des Dichters Alexej KonstantinowitschTolstoi, der außer dem nicht üblen RomanFürst Serebrjanyj eine inRußland sehr bewunderte und in der Tat von starkem innerem Leben er-füllte dramatische Trilogie:Iwan der Schreckliche ,Zar Fedor undZar Boris , verfaßt hat.

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