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als seinen guten Engel preist. Busch kam von Bukarest nach Stockholm ,ein Wechsel, den er gewünscht hatte, da seine Familie das rumänischeKlima nicht vertrug.
Während der zweiten Audienz, die ich bei König Carol am 15. JuniTod des hatte, erhielt dieser ein Telegramm, das er in meiner Gegenwart öffnete.Kaisers Es war die Nachricht vom Tode des Kaisers Friedrich. Tief bewegtFriedrich unc j m j t Tränen in den Augen reichte mir der König das Telegramm. „Ichverliere einen geliebten Vetter“, sagte er zu mir, „und Deutschland einender besten, edelsten Fürsten, die es je gegeben hat.“ Nach einer kurzenPause fügte er hinzu: „Unser nunmehriger Kaiser hat viele glänzendeEigenschaften. Er ist sehr begabt. Er ist, was man einen Blender nennt,oder, wenn Sie das lieber hören, ein Charmeur. Aber er hat auch bedenk-liche Eigenschaften. Jedenfalls bedarf er kluger und geschickter Ratgeber,diese wollen wir ihm wünschen. Vor allem soll er den Fürsten Bismarck behalten. Man spricht davon, daß er ihn durch Waldersee ersetzen möchte.Alfred Waldersee ist ein alter Regimentskamerad und Jugendfreund vonmir. Fürst Bismarck ist oft hart, bisweilen rücksichtslos mit mir um-gesprungen. Aber als guter Preuße und guter Deutscher, der ich gehliebenbin, hoffe ich zu Gott, daß der neue König und Kaiser sich nicht von demgroßen Berater seines Großvaters trennen wird.“
Die mir in Bukarest gestellte Aufgabe war, die fünf Jahre früherGeheim- zwischen den Zentralmächten und Rumänien getroffenen, sehr un-vertrag mit bestimmten, kaum als Allianz zu bezeichnenden Abmachungen in einRumänien förmliches Bündnis zu verwandeln. Ich war von vornherein der Ansicht,daß ein Bündnis zwischen Rumänien und den Dreibundmächten ein öffent-liches sein müsse, stieß aber in dieser Beziehung bei König Carol aufhartnäckigen Widerstand. Er meinte, daß eine offene Allianz nicht nur dierussischen und französischen Umtriebe in Rumänien bis zur Unerträglich-keit steigern, sondern auch im Lande selbst bei den für Frankreich schwärmenden oder von Rußland bestochenen Politikern allzu heftigenWiderstand hervorrufen würde. Aus Berlin wurde ich brieflich angewiesen,nicht auf der Öffentlichkeit des Vertrages zu bestehen, da es vor allemdarauf ankomme, überhaupt etwas zustande zu bringen. So wurdedenn ein Vertrag zwischen Österreich-Ungarn und Rumänien geschlossen,dem Deutschland und Italien beitraten und in dem die habsburgischeMonarchie und das Königreich Rumänien sich versprachen, daß jeder vonbeiden Paziszenten dem andern beistehen würde, wenn dieser von Ruß-land angegriffen werden sollte. In sehr geschickter W r eise hat der Könignach und nach alle maßgebenden Politiker des Landes, Car}) und Bratianu, Rosetti, Marghiloman, Florescu, Katargi, Majorescu, Stirbey, die Liberalen,die Konservativen und die Junimisten in den Vertrag eingeweiht und sie