eine dicke Köchin aussah und die Manieren einer solchen hatte, aber schlaugenug war, den einfältigen Prinzen Ferdinand einzufangen. Er verlobtesich heimlich mit ihr.
Die Königin Elisabeth von Rumänien war eine groß angelegte Frau,reich begabt und voll Herz, und wenn ihre unter dem PseudonymCarmen Sylva veröffentlichten Gedichte nicht ganz an die der Sapphoheranreichten, so hatte sie doch die Phantasie und das Temperamenteiner Dichterin. Sie adorierte Helene Vacarescu , die übrigens auch Versemachte, noch weniger gute als die Königin. Es gelang Helene, dieKönigin für den Gedanken ihrer Vermählung mit dem rumänischen Thron-erben nicht nur zu gewinnen, sondern zu begeistern. Unterstützt von demKabinettssekretär Ihrer Majestät, einem französisch gesinnten Elsässer,wußte sie die Königin für spiritistische Experimente zu interessieren. Diehohe Frau erhoffte vom Spiritismus nicht nur poetische Inspirationen,sondern auch prophetische Winke. Der Geist des Vaters der Königin, desverewigten Fürsten Hermann von Wied , wurde zitiert. Gefragt, was er derKönigin rate, erwiderte er mit hohler Stimme, sie möge den Lorbeer derDichterin höher stellen als irdische Kronen. Gefragt, was Fräulein HeleneVacarescu bevorstünde, erscholl laut die Antwort: „Helene — Reine!“Der Geist sprach geläufig Französisch. Die Königin erblickte in dieser Ant-wort ein Zeichen des Himmels, der ihre geliebte Helene zur Königin be-stimmt habe. Sie ließ sich von der Familie Vacarescu und ihrem Kabinetts-sekretär einreden, daß diese Verbindung des künftigen Königs von Ru-mänien im Lande mit Jubel aufgenommen werden würde. Die Königin be-stürmte den König Karl, die Heirat zu erlauben. Der König operierte, wieimmer, mit Klugheit und dabei mit Herzensgüte. Er erklärte seiner Ge-mahlin, daß er sich in einer so delikaten Angelegenheit nach den Rat-schlägen seiner Minister und der Parteiführer richten müsse. Alle erklärtenohne Ausnahme, daß eine Verbindung des künftigen Königs von Ru-mänien mit einer Rumänin im Lande einen Sturm der Entrüstung hervor-rufen würde. Die Rumänen hätten sich einen fremden König geholt, weilkeiner von ihnen einem Landsmann die Krone gegönnt habe. KeineRumänin würde es ertragen, daß eine Landsmännin, noch dazu eine nichteinmal hübsche Landsmännin, Königin werde, und nicht sie selbst. Nunwurde Prinz Ferdinand vor die Majestäten zitiert und aufgefordert,zwischen seiner Liebe und seiner Anwartschaft auf den Thron zu wählen.Mit dichterischem Schwung rief Carmen Sylva ihm zu, daß Romeo auch füreine Krone nicht auf Julie verzichtet haben würde. Der König beschränktesich auf den ruhigen, festen Hinweis darauf, daß es sich um ein Aut—authandle: Entweder die Krone oder Fräulein Vacarescu! Mit weinerlicherStimme erklärte Prinz Ferdinand, daß er die Krone vorzöge. Er wurde auf