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4 (1931) Jugend- und Diplomatenjahre
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ITALIENISCHE REGIERUNGSMÄNNER

in den Kreisen der Frankfurter Diplomaten hervorrief. Wir standen am7. Juni vor dem Eingang zum Zoologischen Garten. Ein Extrablatt, dasvon schreienden Zeitungsjungen ausgeboten wurde, meldete den Tod desPremierministers des neuen Königreichs Italien . Der sehr klerikale öster-reichische Präsidialgesandte des Bundestages meinte mit einer Mischungvon Schadenfreude und moralischem Abscheu:Ich möchte jetzt nicht ander Stelle dieses bösen Mannes vor dem Tor zur Hölle stehen. Einigeandere Vertreter deutscher Königreiche und Großherzogtümer stimmten,obwohl Protestanten, nicht ohne Scheinheiligkeit zu. Der italienische Ge-sandte, Graf Barral, ein Savoyarde und loyaler Diener des HausesSavoyen , aber streng katholisch gerichtet, schwieg verlegen. Der franzö-sische Gesandte zuckte die Achseln. Wie fast alle französischen Diplo-maten war er ein Gegner der italophilen Politik des Kaisers Napoleon III .Nur mein objektiv urteilender Vater, der mich kaum zwölfjährigen Knabenan der Hand führte, meinte:Comme legitimiste je ne puis louer la poli-tique du Comte Cavour, mais son nom restera dans Fhistoire.

Der bedeutendste unter den Mitarbeitern des Baron Blanc war HerrMalvano Malvano, ein Beamter von unermüdlicher Arbeitskraft und reicher Er-und Sonnino fahrung, von Vorsicht und feinem Verstand. Auch er hatte schon unterCavour gedient. Malvano war Israelit wie Artom. Israelit war auch derFinanzminister Sidney Sonnino, dem ich hier zum erstenmal begegnete.Er war damals ausgesprochen deutschfreundlich. Er kannte Deutschland, dessen Sprache und Literatur. Eine seiner Schwestern war mit einembayrischen Diplomaten, dem Freiherrn von Tautphoeus verheiratet. Ergalt für das, was die Franzosen einenmauvais coucheur nennen, fürunverträglich und rechthaberisch. Er war ein Sonderling, dem man inder Gesellschaft selten begegnete. Aber er hatte mit dem AbgeordnetenFranchetti, auch einem Juden, ein gutes Buch über die wirtschaftlichenZustände in Sizilien geschrieben. Er hatte viel gelesen und viel nachgedacht,er hatte einen zähen Willen.

Durch seine Klugheit frappierte mich der Minister des KöniglichenRatazzi Hauses, Herr Ratazzi, ein Neffe des radikalen Parlamentariers, derCavour scharfe Opposition gemacht hatte. Politische Differenzen führenin Italien selten zu persönlicher, fast nie zu unüberwindlicher persönlicherFeindschaft. Italien wurde von Männern aufgebaut, die nach Herkunft undRichtung voneinander sehr verschieden waren: von Piemontesen und vonSizilianern, von hochgeborenen Aristokraten und von Männern, derenWiege in ärmlichem Hause gestanden hatte, von gläubigen, feurigen Katho-liken und von Freimaurern und Freigeistern. Aber in der Hauptsache, näm-lich darin, daß es gelte, Italien möglichst stark zu machen und deshalbimmer das Ganze über die Teile, die nationale Idee über alle regionalen.