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EINE OHRFEIGE
Camporeale , hinterlassene, auf einem Bergvorsprung am Meer gelegeneGut. Die Kirche von Altavilla, die sogenannte Chiesazza, wurde 1077 vonRobert Guiscard erbaut, dem Sohne Tancreds von Hauteville. SeinemVater zu Ehren gab er dem von ihm angelegten Ort den Namen Altavilla .Robert Guiscard wurde im Verlaufe seiner weiteren Karriere Graf vonApulien, eroberte Sizilien und Kalabrien , unternahm einen siegreichenKriegszug gegen das griechische Kaisertum und befreite den in der Engels-burg durch den deutschen Kaiser Heinrich IV. belagerten Gregor VII . Erstarb auf seinem zweiten Zuge nach Konstantinopel 1085 auf Kephallonia ,der größten der Ionischen Inseln, gegenüber dem Eingang des Golfes vonPatras . Von dem würdigen Geistlichen von Altavilla wurde mir ein freund-licher Empfang bereitet. Als ich ihm für seine Armen eine kleine Geld-summe übergab, sagte er mir mit liebenswürdiger Courtoisie: „Io sonocerto, che Dio vuole molto bene alla nostra Signora. Ma io domandero a lasantissima Madonna di Altavilla, chi ha fatto tanti miracoli, di pregareDio di fare ancora piü e sempre piü per • la nostra cara Signora,vostra moglie.“
Die Nichterneuerung des Rückversicherungsvertrages mit Rußland warDie Krüger - von Holstein und Marschall auch damit motiviert worden, daß wir, vonDepesche jeder Rücksicht auf Rußland entbunden, unser Verhältnis zu England nurum so besser würden pflegen können. Das Telegramm, das Wilhelm II. am3. Januar 1896 an den Präsidenten Krüger richtete, stand mit dieserPolitik nicht im Einklang. Die Italiener, die aus naheliegenden Gründenein gutes Verhältnis zwischen ihrem Verbündeten, dem Deutschen Reich,und ihren traditionellen Freunden, den Engländern, wünschten, standendamals zu uns in so guten Beziehungen, daß sie über die Krüger-Depeschezwar betrübt waren, dies jedoch nur wenig zum Ausdruck brachten. Abermein englischer Kollege, Sir Cläre Ford, sagte zu mir: „Diese Ohrfeige vonseiten Ihres Kaisers wird England nicht vergessen.“ Als ich auf das Un-statthafte des Einfalles in Transvaal hinwies und auf weit ernstere Krän-kungen, die England von Frankreich und Rußland hingenommen habe,meinte Sir Cläre: „Aber die gingen von Ministern, Parlamentariern undPublizisten aus, nicht von einem Kaiser.“ Als ich von der Liebe undAchtung des Kaisers für England sprach, mit dem ihn nicht nur verwandt-schaftliche Bande, sondern auch Gewohnheiten und Passionen verbänden,replizierte mein englischer Kollege: „Gerade wegen dieser vielen und in-timen Beziehungen wird das englische Volk Ihrem Kaiser diesen Affrontnicht verzeihen. Der Engländer hat die Empfindung, die ein Gentlemanhaben würde, dem im Klub ein anderer Gentleman, sein Vetter, mit demer viele Jahre friedlich Whist gespielt und Brandy und Soda getrunken hat,plötzlich eine Maulschelle appliziert.“ Wenige Wochen später hielt im