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Minghetti, und Malwida von Meysenbug . Donna Laura entstammte demHause Acton, außer den Howards die einzige Familie des englischen Hoch-adels, die dem katholischen Glauben immer treugeblieben war. Ihr Groß-onkel, der Baronet John Francis Acton, war jung nach Neapel gekommen,wo er sich die Gunst der Königin Maria Karolina erwarb, der Schwesterder armen Königin Marie Antoinette , und Premierminister und Fürstwurde. Er hat als Todfeind der Französischen Revolution und ihrer Ideendas Königreich beider Sizilien in sehr reaktionärem Geist regiert, willkür-lich und grausam. Der gute politische Ruf des Hauses Acton wurde inunseren Tagen von Lord John Acton wiederhergestellt, dem ausgezeichnetenGelehrten und liberalen Staatsmann. Er war mit einer Deutschen ver-heiratet, einer Gräfin Arco, und der Sohn einer Deutschen, einer Tochterder historischen Familie Dalberg. Schon vor Lord John Acton hatte sichder Kardinal Acton bemüht, durch einen gottseligen Lebenswandel dieMissetaten seines Oheims, des Fürsten , in Vergessenheit zu bringen. DonnaLaura hatte eine französische Mutter gehabt, die Gräfin Zoe d’Albon, auseiner großen Familie, der, freilich als illegitimer Sproß, die berühmte Juliede l’Espinasse entstammte, die Freundin von Madame du Deffand, vond’Alembert und vielen anderen Enzyklopädisten. Ihre 1809 erschienenen„Lettres“ gehören zu den schönsten und geistreichsten Briefen der indieser Richtung seit jeher reichen und ausgezeichneten französischen Lite-ratur. Sie sind mehrfach ins Deutsche übersetzt worden. Beide Großmüttermeiner Schwiegermutter waren Deutsche , Rheinländerinnen, die eine eineGräfin Hompesch, die andere eine Gräfin Berghe von Trips , also nur eng-lisches, französisches und deutsches Blut. Ihre einzige Schwester hatte sichmit einem Deutschen, dem Grafen Kurt zur Lippe-Biesterfeld, verheiratet.
Dabei war Donna Laura in ihrer äußeren Erscheinung wie in ihrem Wesendurch und durch Italienerin, Italianissima. Wer das Bild betrachtet,das Lenbach von ihr gemalt hat, das ihre klassische Schönheit wunder-voll wiedergibt, wohl das beste Frauenporträt des großen Münchener Malers, wird zweifellos der Ansicht sein, den vollkommenen Typus derItalienerin vor sich zu sehen. Ein neuer Beweis für die Anfechtbar-keit der Rassentheorie und jedenfalls ein Argument gegen ihre Über-treibung. Donna Laura hatte sehr jung in erster Ehe den FürstenDomenico Camporeale geheiratet, nach dessen Tod den ausgezeichne-ten italienischen Staatsmann Marco Minghetti . Sie starb sechsund-achtzigjährig in ihrer Villa Mezzaratta bei Bologna am 12. September1915, ohne ihre zärtlich geliebte Tochter noch einmal haben sehen zukönnen, während des Weltkrieges, der sie in einen schmerzlichen Konfliktzwischen ihrem glühenden italienischen Patriotismus und ihrer tiefenSympathie für Deutschland gebracht hatte. Sie wurde in der Certosa von