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Vergleichende Statistik der Eisen-Industrie aller Länder und Erörterung ihrer ökonomischen Lage im Zollverein / von Wilhelm Oechelhäuser
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sind entweder Cupol- oder Flammöfen. Die ersteren ver-brauchen meistens Coaks, mitunter auch Holzkohle», die letzterenrohe Steinkohle, seltener Holz oder sonstiges Brennmaterial. Beiden ersteren ist das Roheisen in unmittelbarer Berührung mitdem Brennmaterial und wird unter Hinzutritt von Gebläseluft,ähnlich wie die Erze im Hochofen, eingeschmolzen. Bei denFlammofen dagegen schmilzt es durch die Hitze einer darüberhinstreichenden Flamme von Steinkohlen, die auf einem zurSeite des Schmelzraums liegenden Roste verbrennen. Die Cupol-vfengießerei ist die meist übliche; den Flammofen benutzt manhauptsächlich nur, wo es bei den Gußstücken auf besondere Rein-heit und Festigkeit des Eisens ankommt. Für Kunstguß endlichfindet das Umschmelzen in Tiegeln, in den sogenannten Tiegel-öfen statt.

Beim Umschmelzen wird dem Roheisen der Kohlenstoffge-halt nicht entzogen, dessen Anwesenheit vielmehr das Roh- undGußeisen charakterisiert.

Das Gießen unmittelbar aus dem Hochofen war stets inDeutschland verhältnißmäßig stärker entwickelt, als in irgend einemandern Lande; in England insbesondere gießt man sehr wenigaus dem Hochofen. Indeß auch in Deutschland hat allmähligdas Umschmelzen des Roheisens bei weitem die Ueberhand be-kommen, da der Kohlenverbrauch der Cupol- oder Flammöfengering ist und deren Anlage leicht überall erfolgen und demUmfange des vorhandenen Bedürfnisses angepaßt werden kann.Das Gießen geschieht entweder in Formen von feuchtem Sandoder von getrocknetem oder gebranntem Lehm.

§. 4. Die Hauptverwendung des Roheisens findet fürStabeisen (Schmiede-Eisen, überhaupt schweiß- und hämmer-bares Eisen) statt. Dasselbe wird dargestellt durch den Prozeßdes Frischens, d. h. Entziehung des Kohlenstoffgehaltes undDarstellung des reinen Eisens. Wie oben erwähnt, geschah diesin früheren Zeiten direkt aus den Erzen, indem man das zuerstentstehende und sich unten im Ösen ansammelnde Gußeisen durchEinwirkung der Gebläseluft von Kohlenstoff befreite. Dies ge-schah in den sogenannten Luppenfeuern, in Deutschland nochhäufiger in Stücköfen. Es hat sich jedoch als weit ökonomischererwiesen, den chemischen Umweg zu machen, aus den Eisenory-