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Vergleichende Statistik der Eisen-Industrie aller Länder und Erörterung ihrer ökonomischen Lage im Zollverein / von Wilhelm Oechelhäuser
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strengungen, namentlich mehrerer westphälischen Puddlingwerk-besitzer, haben alle diese Schwierigkeiten besiegt, und wenn sichauch noch nicht völlig absehen läßt, wie weit der gepuddelte dengefrischten Schmelzstahl oder den Cementstahl verdrängen wird,so ist ihm doch bereits in gewöhnlichen Qualitäten ein bedeuten-der Absatz sicher und steht mit Bestimmtheit zu erwarten, daßallmählig jeder Preisunterschied zwischen gutem Schmiedeeisenund gewöhnlichem Stahl verschwinden wird.

Die dem Frischen gegenüberstehende Methode ist die Ce-mentstahlfabrikation. Hierbei werden Stäbe von Schmiede-eisen, mit Lagen von pulverisirter Holzkohle abwechselnd, in einemverschlossenen Ofen aufgeschichtet und längere Zeit der Nolhglüh-hitze ausgesetzt, bis sich das Eisen durch Aufnahme einer ge-nügenden Menge Kohlenstoff in Stahl verwandelt hat.

In dem Zustande, wie der Roh- oder Cementstahl auftre-ten, werden sie nur in geringeren Mengen verbraucht; eine wei-tere Verfeinerung ist schon deshalb nothwendig, weil das Mischungs-verhältniß des Eisens und Kohlenstoffs in allen Theilen der Roh-oder Cementstahlstäbe sehr verschieden ist. Diese Verfeinerung ge-schieht nach zwei Systemen, dem Raffinircn oder Gerbenund dem Nm schmelzen.

Bei ersterer Methode, die den Raffinir- oder Gerb-stahl liefert, wird der Rohstahl bei Holzkohlenseuerung in Pa-queten zusammengeschweißt und unter dem Hammer ausgestreckt;je nach dem zu erreichenden Grade der Feinheit wiederholt mandiese Operation zwei-, drei-, selbst viermal.

Für den Cementstahl wendet man den Gerbprozeß seltner an,da derselbe einen zu großen Theil seines Kohlenstoffgehaltes da-bei einbüßt. Der Raffinirstahl gehörte also in der Regel zurGattung des Schmelzstahls.

Die andere Methode, welche den Guß stahl liefert, ver-drängt die Gerbmethode immer mehr. Sie ward 1740 vonHandSworth in Sheffield erfunden und wird jetzt in steigen-der Ausdehnung hauptsächlich in England , demnächst aber auchin Frankreich und Preußen angewandt. Hierbei wird der Ce-ment - oder Rohstahl in Tiegeln in kleinen Quantitäten (bis30 Pfund) bei einem heftigen Steinkohlenfcuer umgeschmolzenund darauf unter dem Hammer oder der Walze weiter verar-