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Vergleichende Statistik der Eisen-Industrie aller Länder und Erörterung ihrer ökonomischen Lage im Zollverein / von Wilhelm Oechelhäuser
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sein soll, aber selten ist) in der Mitte steht. Eine genaue Grenzezwischen diesen drei Hauptcisensorten läßt sich nicht ziehen undlaufen sowohl Frischeisen und Stahl, als Stahl und Gußeisenin einander über. Durch den richtigen Kohlenstoffgehalt, durchdie Reinigung von srcmden Beimischungen und die chemischenBestandtheile des verwandten Eisens wird die Güte des Stahlsbedingt; jedenfalls gehören Stahlbereitung und Verarbeitung zuden schwierigsten Zweigen des gesammten Gewerbewesens.

Der Stahl wird auf zwei ganz entgegengesetzten Wegenerzeugt; entweder aus Roheisen, indem man demselben einenTheil Kohlenstoff entzieht, oder aus gefrischtem Eisen,indem man demselben Kohlenstoff zuführt. Ersterer wirdRoh- oder Schmelzstahl, letzterer Cementstahl genannt.

Der Schmelz stahl wurde (von der alten Stahlbereitungdurch die direkte Methode unmittelbar aus Erzen abgesehen) bisvor Kurzem ausschließlich in Holzkohlensrischfeuern (Stahlfeuern)dargestellt, ganz in ähnlicher Weise wie das Schmiede-Eisen, jedochmit dem Unterschied, daß der Frischprozeß unterbrochen ward,wenn erst ein Theil des im Roheisen enthaltenen Kohlenstoffsausgeschieden war Die Qualität des verwandten Roheisensbedingt wesentlich die Güte des Nohstahls. Am besten eignetsich hierzu das aus Spatheisensteinen erblasene weiße Roheisen,Rohstahleisen genannt, welches häufig beim Bruch glänzende,spiegelnde Flächen zeigt, und dann den Namen Spiegeleisen(ionte miroitgnw) führt. In größeren Mengen und in vorzüg-licher Qualität wird der Schmelzstahl in Steiermark, Kärnthen,Tyrol, dem Siegnischen, Schweden , Dauphins u. s. w. erzeugt.Zu den Schmelzstahlsorten gehört auch der berühmte Wooz ausOstindien.

In den letzten Jahren ist indeß auch die Anwendung derPuddlingfrischerei bei Steinkohlen für die Erzeugung von Stahldurchgesetzt worden. Der P uddl ingstahl wird analog demPuddlingeisen erzeugt, nur daß man ebenfalls den Frischprozeßfrüher unterbricht, ehe die Entkvhlung des Roheisens völlig vorsich gegangen ist. Versuche, den Stahl aus solche Weise zu fri-schen, sind schon längst und an vielen Orten unternommen, aberstets wieder aufgegeben worden, weil die Sicherheit fehlte unddas Produkt höchst ungleichartig wurde. Allein die rastlosen An-