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Vergleichende Statistik der Eisen-Industrie aller Länder und Erörterung ihrer ökonomischen Lage im Zollverein / von Wilhelm Oechelhäuser
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Seite die hohe volkswirtschaftliche Wichtigkeit desEisengewerbes anerkenne, und zwar nicht blos die allge-meine Wichtigkeit, wie sie jedem Gewerbe zukommt, das ebensoviele Millionen an Kapital und ebenso viele Hunderttausende vonMenschen beschäftigt, sondern auch seine besondere Bedeutung vomStandpunkte des Staates. Das Eisengewerbe vereinigt Alles insich, was dem Staate einerseits den Ackerbau und andererseitsdie Industrie im Allgemeinen wichtig und wünschenswert!) machenmuß. Es läßt sich so wenig als der Ackerbau vom vaterländi-schen Boden ablösen, und gewährt eine fast noch größere Leichtig-keit, zu einem an den Grund und Boden gefesselten Besitze zugelangen. In allen Zweigen des Eisengewerbes verwerthen sichdie verwendeten Menschenkräfte außerordentlich hoch. Es ziehtein kräftiges, kerniges Geschlecht zum Dienste des Vaterlandesheran, dem die Beschäftigung in den großen Werkstätten der Natureinen ernsten, sittlich-religiösen Charakterzug einimpft. Bergbauund Eisenindustrie gewähren, wie fast kein anderer Erwerbszweig,auch dem Mittelstände die Möglichkeit, festen Fuß zu behalten,anstatt zu bloßen Arbeitern oder Angestellten der Reichen herab-zusinken. Und weil eben das Eisen unentbehrlich, weil es keinLuxusartikel ist, dessen Verbranch von der Mode abhängt, so las-sen sich in keinem Gewerbe leichter jene Krisen verhüten, die Lohn-herabsetzungen, Entlassungen in Masse und damit Unruhen, Elendund Entsittlichung der Arbeiterklassen im Gefolge haben. DieGeschichte der Cisendistrikte seit Jahrhunderten bietet dem Staats-manne in dieser Beziehung ein Material, welches wohl zu Zwei-feln über die Richtigkeit der freihändlerischen Lehre anregen dürfte,daß nämlich der Staat sich nichts darum zu kümmern habe, obdie wirthschaftlichen Kräfte der Nation diese oder jene Richtungnehmen. Muß es nicht, so fragen wir im Gegentheil, für dieGesammtheit das höchste Interesse haben, ein solches Gewerbe er-halten und unbenutzt liegende Kapitalien und Kräfte vorzugsweisein diesen Kanal geleitet zu sehen? Und muß sich diese Bedeutungnicht unendlich steigern, wenn wir die enorme Entwicklung desEisenverbrauchs ins Auge fassen, die der Eisenindustrie für dieZukunft einen Umfang verheißt, in welchem vielleicht kein anderesGewerbe Kapitalien und Menschenkräfte zu verwenden im Standesein wird!