Druckschrift 
Vergleichende Statistik der Eisen-Industrie aller Länder und Erörterung ihrer ökonomischen Lage im Zollverein / von Wilhelm Oechelhäuser
Entstehung
Seite
319
Einzelbild herunterladen
 

- 319

jene Unternehmungen ins Stocken geriethen, während ohne dieseUnterbrechung jetzt wahrscheinlich schon kein Roheisen mehr vomAusland bezogen zu werden brauchte.

Die zweite Periode von 1848 bis heute war wiederum derEisenindustrie so ungünstig, als die von 1845 bis 1847 ihrgünstig war. Die Wirkungen des Zolles sind aber auch hierunverkennbar. Beim Stabeisen war die Produktion im Jahre1847 bis zur vollkommenen Befriedigung des inneren Bedarfsgestiegen, und da nun die Wirkung eines Zolles nicht über deninneren Markt hinausgeht, so konnte der Schutzzoll nicht mehrdaran hindern, daß mit dem verminderten Eisenverbrauch auchdie inländische Eisenerzeugung zurückging, und zwar in Preu-ßen im Jahre 1847 von 3,081,043 Ctr. auf 2.248,480 Ctr.,also um fast ein volles Drittel des gewonnenen Umfangs. Imübrigen Deutschland war, wie seit 1844 daS Steigen, so auchseit 1844 das Fallen der Stabeisenerzeugung verhältnißmäßig ge-ringer (siehe H. 24.), indem namentlich der vermehrte resp, ver-minderte Consum der Eisenbahnbauten, der Vorzugsweise von denpreußischen Puddlingwerken befriedigt wurde, die Veranlassung zudem Wechsel gegeben hatte.

Beim Roheisen dagegen war das Verhältniß zum Zoll einanderes. Hier war die Produktion im Jahre 1847 noch keines-wegs bis zur Befriedigung des inneren Bedarfs gestiegen. Trotzdes stark gefallenen Eisenverbrauchs bedurften seit 1848 unserePuddlingwerke und Gießereien noch eines Zuschusses von mehrals einer Million Centner über die höchste Produktion hinaus,die im Jahr 1847 stattgefunden hatte. Von einem Zoll, derdie inländische Konkurrenz mit der ausländischen ins Gleichge-wicht bringt, ließ sich unter diesen Umständen erwarten, daß ernicht blos die inländische Erzeugung auf ihrer gewonnenen Höhevon 1847 erhalten, sondern sogar ihr normalmäßiges Fortschreitenmöglich machen werde. Dies ist aber nicht geschehen; in Preußen sank die Hochofenproduktion von 2,680,318 Centner im Jahre1847 aus 2,486,533 im Jahr 1848 und ging 1849 noch weitmehr zurück. Beim Zollsatz von 10 Sgr. fand ein solcher Rück-gang sicherlich nicht Statt. ES ist unverkennbar, daß gerade derDifferentialzoll von 5 Sgr. auf belgisches Roheisen (obgleich immernoch günstiger wirkend als wenn gar kein Zoll eristirte), dieses Re-