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Vergleichende Statistik der Eisen-Industrie aller Länder und Erörterung ihrer ökonomischen Lage im Zollverein / von Wilhelm Oechelhäuser
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telst außerordentlich billiger Transportmittel zusammengeführt wer-den. Die Thatsache einer gewissen geographischen Entfernungzwischen Kohlen - und Erzlagern entscheidet an und für sich nochnichts gegen die Konkurrenzfähigkeit. Denn es ist klar, daß inbesserer Qualität, größerer Reichhaltigkeit und Leichtschmelzbarkeitder Erze in der Brennkraft und Beschaffenheit der Kohlen undin sonstigen Umständen eine vollkommene Ausgleichung für einenFrachtbetrag liegen kann, den andere Gegenden, wo Kohlen undErze dicht zusammen liegen, wo aber deren Beschaffenheit ungünsti-ger ist, ersparen. Die ausgezeichneteren Spath- und Rotheisensteineaus älteren Formationen finden sich z. B. nur selten in der Nähevon Steinkohlenlagern. Nimmt man nur an, daß ein CentnerRoheisen aus solchen Erzen 2^- Sgr. mehr werth und daß über-dies weniger Brennmaterial erforderlich sei, als für die Erzeu-gung von 1 Centner Roheisen aus Sphärosideriten oder Thoneisen-steinen des Kohlengebirges, so ist klar, wie beide gleich konkurrenz-fähig sein können, selbst wenn im ersteren Falle 5 bis 7^ Sgr.mehr für Fracht der Rohmaterialien zu tragen waren. So be-ziehen z. B. mehrere der größten und am billigsten produzirendenHüttenwerke in der Nähe von Lüttich den größten Theil ihrerEisensteine auf 10 bis 2O Meilen Entfernung von der oberenSambre und Maas; auch in Wales und Schottland kommt eshäufig vor, daß bei der Förderung von Kohlen und Erzen ausdemselben Schacht der Abbau zur Gewinnung beider Mineralienso viel kostspieliger wird, daß ändert Werke, wo beide meilenweitauseinander liegen, jedoch durch Kanäle oder Eisenbahnen ver-bunden sind, effektiv billiger Produziren. Hiermit soll keineswegsgesagt werden, daß nicht das Vorkommen der Erze und Kohlenin möglichst geringen Entfernungen oder dicht bei einander durch-schnittlich als die vortheilhafteste Grundlage einer Eisenindustriezu betrachten sei; dies wird vielmehr in der Regel allerdings derFall sein. Allein es soll der oberflächlichen Beurtheilung entge-gengetreten werden, welche nichts als die Thatsache einer bestimm-ten geographischen Entfernung zwischen Erz- und Kohlenlagernin's Auge saßt, um sich berechtigt zu halten, das Anathem ewigerKonkurrenzunfähigkeit über eine darauf gegründete Eisenindustrieauszusprechen. Wir citiren nur als Beispiel der Borbecker Hoch-öfen im Ruhrkohlenrevier; schwerlich produzirt bis jetzt ein Hüt-

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