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Vergleichende Statistik der Eisen-Industrie aller Länder und Erörterung ihrer ökonomischen Lage im Zollverein / von Wilhelm Oechelhäuser
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zuweisen, den das schottische Bankwesen auf die Entwicklung derschottischen Eisenindustrie gehabt hat und dringend zu einer nähe-ren Untersuchung dieser Verhältnisse auffordern.

Bleibt demnach auch nicht allein in Frachten und Berg-werksabgaben, sondern auch in dem technischen, ökonomischen undkaufmännischen Theil des Eisengewerbes die Möglichkeit vonReduktionen der Selbstkosten gegeben, so ist deren Durchführungdoch theils von der Zustimmung des Staates (z. B. Abschaffungder Bergwerkssteuer, Erlaß eines Berggesetzes, Verbesserung derGeld- und Kredit-Institute), theils von der Durchführung kost-spieliger Anlagen unter Znsammenwirkung des Staats und derPrivatassociationen (Erbauung von Eisenbahnen, Regelung derFrachttarife), theils von der Hinwegräumung von Einrichtungenund llsancen abhängig, die mit den socialen Verhältnissen ein-zelner Gegenden seit Jahrhunderten verwachsen waren. Darineben, daß alle diese Veränderungen nicht mit einem Schlage ge-schehen können, daß sie Zeit zu ihrer Durchführung brauchen,darin liegt die Begründung der zeitlichen Nothwendigkeit desSchutzzolles, während seine prinzipielle Rechtfertigung wieder indem Nachweis gelegen ist, daß das Schlußresultat der unter demSchirm des Zolles stattfindenden Entwicklung die vollständigsteWiederherstellung der Konkurrenzfähigkeit, das Sinken der inlän-dischen Preise selbst bis unter das Niveau des frei bezogenen aus-ländischen Eisens sein wird und muß. Es folgt aber eben hier-aus, daß der Schutzzoll selbst die Wunden unserer Eisenindustrie nichtheilt, sondern daß er blos den Nothverband bildet, und es folgtferner, daß die Abnahme der Schutzbedürftigkeit schneller oderlangsamer vor sich gehen muß, je nachdem die Durchführung derzur Reduktion der inländischen Selbstkosten erforderlichen Maaß-regeln schneller oder langsamer vorgenommen wird.

Daraus nun, daß einestheils die Hinwegräumung jenerHindernisse nicht systematisch oder nicht kräftig genug in Angriffgenommen wird, und daß andrerseits die Ausdehnung der In-dustrie da keine rascheren Fortschritte macht, wo bereits die Grund-lagen der Konkurrenzfähigkeit gegeben sind, daraus ließe sich al-lerdings ein Vorwurf herleiten, der aber die Regierungen eben-sowohl trifft, als die einzelnen Kapitalisten und Industriellen.

Billigerweise muß man aber dabei berücksichtigen, daß der