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Vergleichende Statistik der Eisen-Industrie aller Länder und Erörterung ihrer ökonomischen Lage im Zollverein / von Wilhelm Oechelhäuser
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vollständigere Aufschluß der Grundlagen zukünftiger Größe unsrerEisenindustrie erst von neuerem Datum ist. Noch vor b Jahrenhätte Niemand die Behauptung auszusprechen gewagt, der heut-zutage Niemand mehr wiederspricht, daß nämlich im Zollvereingleich günstige Grundlagen zur Entwicklung einer Coakseisenin-dustrie gegeben sind, wie in Belgien und Großbritannien . Undaußerdem hat man den Einflüssen des Jahres 1848 Rechnungzu tragen, welche die erfreulichste Periode des Fortschrittes, dieunsre Eisenindustrie jemals gehabt, plötzlich unterbrachen.

Bei der noch fortwährend so außerordentlich gedrückten Lagedes Eisengeschäfts überhaupt, sowie bei der fortdauernden politi-schen Gährung im Auslande, bei der Ungewißheit über die Zu-kunft des Zollvereins u. f. w. konnte der Fortschritt noch nichtrecht wieder in Zug kommen; die Ungewißheit, die zwei Jahrelang hinsichtlich des belgischen Vertrags obwaltete, trug auch ihrTheil dazu bei. Uebrigens kann es die Eisenindustriellen nichtspeziell treffen, wenn überhaupt in Deutschland der gewerblicheUnternehmungsgeist noch nicht so ausgebildet erscheint, wie inGroßbritannien oder Belgien .

Die Konsumtion hat sich übrigens im vorliegenden Fallesicherlich nicht zu beklagen. Denn dieselbe Ursache, welche seit1848 den Unternehmungsgeist lähmte, hat auch die Verkaufs-preise des Eisens so herabgedrückt, wie es unter normalen Ver-hältnissen von der stärksten Weiterentwicklung der inneren Kon-kurrenz in so kurzer Frist kaum zu erwarten gewesen wäre.Ueberhaupt hat der größte Theil der bestehenden Eisenindustrie,bis sie wieder einen neuen Boden der Konkurrenzfähigkeit erlangthat, noch so viele Opfer zu bringen, so viele innere Umgestaltun-gen, so viele Reduktionen der bisherigen Werth- und Ertragsver-hältnisse zu erleiden, daß der Staatsmann ein etwas verzögertesFortschreiten dieses Umgestaltungsprozesses sicherlich nicht so sehrbedauert, als es vom abstrakten Standpunkte der Nationalökono-mie aus geschehen könnte.

Mögen aber von jetzt an, wo doch die Zukunft gesicherter voruns liegt, Regierungen, Associationen und einzelne Industrielle umso kräftiger daran gehen, alle der Entwicklung der Eisenindustrieentgegenstehenden Hemmnisse schleunigst wegzuschaffen und die vor-handenen oder neu gewonnenen Grundlagen entsprechend auszu-

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