lands, in schreiendem Widerspruch zu der Pariser Deklaration von1856, unter die England Schrift und Siegel gesetzt hatte. Und alsein Jahr darauf auch unser alter Dreibundgenossc Italien uns denKrieg erklärte, unter dem Drucke Englands , das auf diese WeiseDeutschland die Zufuhr über die Alpen abschneiden wollte, wardie Hungerblokade vollendet. Nun zeigte sich auch dem Blödestendie Nichtigkeit aller Deklamationen, daß Deutschland sich selbst zugenügen vermöge.
Wir wurden, wie schon gesagt, durch Hunger besiegt. AberRathenau warnte vor dem von der Heeresverwaltung verlangtenschleunigen Abschluß eines Waffenstillstandes,- statt der Waffenruhe'forderte er das letzte Aufgebot und höchste nationale Erhebung. Undebenso haben die Sachverständigen, die aus ganz Deutschland nachBerlin berufen waren, um über die von den Alliierten Deutschland vorgelegten Frieoensbedingungen zu beraten, diese einstimmig abge-lehnt. Auch ich habe an der damaligen Beratung teilgenommen.Noch erinnere ich mich, als vor der Schlußabstimmung unser Oskarv. Miller sich erhob und in kurzer, eindringlicher Rede für die Ab-lehnung eintrat. Er war der einzige, der sprach. Die Ablehnungder Friedensbedingungen galt uns allen als selbstverständlich. Auchhat man damals im Auslande mit unserer Ablehnung gerechnet.Als ich wenige Wochen vor jener Berliner Beratung in Bern war,sagte mir die vortreffliche Frau Snowden: Wenn Sie nach Deutsch-land zurückkehren, sagen Sie Ihren Staatsmännern, sie solltennicht unterschreiben; das ist der einzige Weg, um bessere Bedingun-gen zu erlangen. Auch habe ich dies Scheidemann, der damals deut-scher Ministerpräsident war, mitgeteilt, und er ist lieber zurück-getreten, als zu unterschreiben. Aber der Eindruck solcherAblehnung wurde durch andere vernichtet, welche nach Frank-teich meldeten, unser Widerstand sei nur Schein. Es gab viele inDeutschland , die gegen die Ablehnung auftraten. Dazu gehörte auchBayern, und zwar nicht blos die bayerische Regierung, sondern auchdie „Münchener Neuesten Nachrichten ", und der Abgeordnete Quiddemußte sich noch Monate später öffentlich verteidigen, weil er den Ber -sailler Frieden abgelehnt hatte.
Aber die Unabhängigen agitierten lebhaft für die Annahme:aus Angst, Parteigenossen an diese zu verlieren, fielen erst die Mehr-heitssozialisten und dann die Zentrumspartei um. So kam es, daßsich im Reichstag eine Mehrheit für Unterschreiben des Friedensver-trages fand. Und noch erinnere ich mich der Beschämung, die ich emp-fand, als ich Ende Oktober 1919 in London aus dem Munde Lord