lang die Zerstörung als Ägitationsmittel gegen Deutschland auf-rechterhalten. Sie gebrauchten den Vorwand, daß es die Gefühleder Bewohner der zerstörten Gebiete verletzen würde, deutsche Ar-beiter in ihrer Mitte zu sehen. Dann aber zeigte sich, daß sie selbstam Wiederaufbau gern profitieren würden. Solche Bezahlung konn-te aber nicht ohne Gefährdung der Volkswirtschaft unserer Kriegs-gegner vor sich gehen. Da wir keine Goldminen besitzen, könnenwir nur bezahlen, indem wir Arbeitsprodukte hinaussenden und dieForderungen, die uns aus deren Verkauf erwachsen, unseren Kriegs-gegnern abtreten. Das hat zu den lebhaftesten Beschwerden derjeni-gen im Auslande geführt, welche die gleiche Ware herstellen, durchderen Verkauf wir bezahlen. Sie fühlen sich durch die Konkurrenzin ihrer Existenz dedroht. Ich kann hier nicht alle Erschwerungenvorführen, welche unsere Feinde erdacht haben, uns die einzige Artund Weise zu behindern, in der wir zahlen können. Es ist die dra-stischste Illustration zu: Wasch mir den Pelz und mach mich nichtnaß, und hätte es nicht so verhängnisvolle Wirkung, so wäre eskomisch. So aber war die Folge, daß wir in steigendem Maße Pa-piermark gegen ausländische Währung verkaufen mußten, so oftein Termin herannahte, an dem wir ans 'Ausland zu zahlen hätten.Dieser Zwangsverkauf von Papiermark, um angedrohter Gewaltzu entgehen, hat jedesmal ihr weiteres Sinken, dieses im Inlandsteigende Teuerung und im Ausland weitere Berbilligung unsererausgeführten Waren zur Folge gehabt. Die nachteiligen Folgen,welche dies für unsere Kriegsgegner selbst, vor allem für die Eng-,länder zeitigte, haben wesentlich dazu beigetragen, deren Einsicht indas Verhängnisvolle der französischen Politik und ihre Sympathiefür uns zu wecken.
Da hat Rathenau erfolgreiche Abhilfe zu schaffen gesucht. Ein-mal, indem er am 6. Oktober t921 mit der französischen Regierungdas vielgenannnte Wiesbadener Abkommen traf. Danach soll zurLieferung von Baustoffen, Einrichtungen und Betriebsgegenständeneine deutschrechtliche Organisation geschaffen werden, die auf die Be-stellung einer Organisation der französischen Geschädigten jegliche Lie-ferung bewirken wird, die mit den Bedingungen der Rohstoffversor-gung, den Produktionsmöglichkeiten Deutschlands und seinen sonstigeninneren Bedürfnissen vereinbar ist. Das Abkommen ist auf starkeKritik gestoßen. Seitens der französischen Kammer, die es als zugünstig für Deutschland, in Deutschland , weil man es zu günstig fürFrankreich bezeichnete, und in England, weil es Frankreich zumNachteil der übrigen Alliierten begünstige. Der Reichstag hat dasAbkommen erst vor kurzem ratifiziert, in Frankreich hat die Ratisi-
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