166 Wirtschaft der Provinzen nördlich der Alpen .
Aus wirtschaftlichen: Zwei wirtschaftliche Ursachenmußten dazu führen: Die wirtschaftliche Entwicklung,
welche den Großbesitz gebracht hatte. Infolge derselbenwar auch in Italien der unfreie Kolonat im Entstehen be-griffen. Auf den Latifundien begann in jener Zeit der un-freie Kolonat an die Stelle des alten Sklavereiverhältnisseszu treten. Sodann die Entvölkerung infolge der Pest unddes Rückgang der Geburtenziffer bei hoher Sterblichkeit;die Folge war Arbeitermangel. Da erschienen Germanen alsArbeitskräfte hoch willkommen. Naturgemäß daß man sieauf den Latifundien nicht in das Sklaven-, sondern das un-freie Kolonenverhältnis brachte.
Aus politischen: Die angesiedelten Germanen solltennicht nur den Fluren Arbeitskräfte, sondern auch dem StaateSoldaten liefern. Der römische Sklave aber war vom Kriegs-dienste ausgeschlossen. Den wenn auch schollenpflichtigen,so doch nach römischen Rechtsbegriffen persönlich freienKolonen konnte man als Rekruten verwenden. Daher eineMenge von Kohorten von Laeti ausgehoben wurden 1 ). Inder Notitia dignitatum werden sie und ihre Präfekten aus-drücklich erwähnt 2 ). Es waren deren so viele, daß dasnördliche Gallien schon lange vor der fränkischen Invasionhalb deutsch war 3 ).
Die Germanen wurden also als halbfreie kleine Stellen-besitzer in doppelter Weise angesiedelt: Entweder siewurden einem Privaten als ihrem Herrn zugeteilt alsschollenpflichtige Kolonen. So bei ihrer Ansiedlung inItalien und später auch hie und da in den Provinzen. Oderes wurden ganze Stämme als Laeti angesiedelt. Da hattensie niemand über sich als den Kaiser und hatten nurdiesem Abgaben und Dienste zu leisten. Hier also warensie Bauern, die nicht einem Gutsverbande angehörten,