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Das Wirtschaftsleben der antiken Welt : Vorlesungen gehalten als Einl. z. Wirtschaftsgeschichte d. Mittelalters / von Lujo Brentano
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Wirtschaft der Provinzen nördlich der Alpen .

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sondern eine Art halbfreie Lehenbesitzer 1 ). Dies war wohlfür weitaus die Mehrzahl der Laeti der Fall. Dabei ist aller-dings zu beachten, daß die öffentlichen rechtlichen Fronden,die sordida munera, zu denen diese Laeti, abgesehen vonihrer Verpflichtung zu Abgaben und Kriegsdiensten, ver-pflichtet waren, sich später, als auch sie einen privatenOberherrn erhielten, in dieselben Dienste wandelten, die dermittelalterliche Hörige dem Grundherrn zu leisten hat. Dieszeigt der Codex Theodosianus .

Wie hat die Ansiedlung dieser Laeti stattgefunden?

Nicht nach den Regeln der Agrimensoren; man über-ließ einem Stamm ein großes Gebiet zur Ansiedlung. Da fandsie statt nach Geschlechtsgenossenschaften. Da gemeinsameRodung des Lands und Dreiteilung des von jeder Genossen-schaft besetzten Landes in Allmend, bestellte Flur mit Zu-weisung von Streifen an jeden Genossen in jedem Gewanneund Dorf. Nur daß wahrscheinlich kein jährlicher Wechsel inden Streifen stattfand. Die Bestellung war schon zu inten-siv, als daß sie sich damit hätte vertragen können. DieStreifen standen in dauerndem Eigentum.

Der vorherrschende Charakter der Landwirtschaft derals Laeti angesiedelten Germanen ist nicht mehr wie zur taci-teischen Zeit die Viehzucht, sondern der Ackerbau; seitKaiser Probus (Ende des dritten Jahrhunderts) findet sichsogar Weinbau 2 ).

1) Vgl. Max Weber , Römische Agrargeschichte, 266.

2) Dem Weinbau war weder der gallische Winter nochdie Gesetzgebung günstig. So weit freilich, wie die Republik, welche den Wein- und Ölbau an der gallischen Südküste poli-zeilich untersagte, ging das Kaiserreich nicht. Aber noch inaugustischer Zeit war in dem nördlichen Teil der Narbonensi-schen Provinz der Weinbau unbekannt und dann blieb er aufJahrhunderte auf Narbonensis und das südliche Aquitanien be-schränkt. Von gallischen Weinen kennt die bessere Zeit nur den inden biturigischen Landesteilen, nach unserer Redeweise den Bur-gunder und den Bordeaux. Erst als die Zügel der Regierung denItalienern entfielen, im Laufe des 3. Jahrh., änderte sich dieses,und Kaiser Probus gab endlich den Provinzen den Weinbau frei.