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Die byzantinische Volkswirtschaft.
ihre Familien Einfluß, Herrschaft, eventuell den Thron zuerlangen. Ein unerhörter Luxus wurde entfaltet. Die unver-gleichliche Lage des Orts an dem Punkt, wo Ost und Westsich berühren, machte Konstantinopel zum großen Stapel-platz, auf dem die Waren aus Asien, Afrika, Italien ,Spanien, Deutschland und Rußland zusammenströmten. Teilsüber Syrien, teils über das Rote Meer stand es in Handels-beziehungen mit dem äußersten Orient, und sei es direkt,sei es durch Vermittlung der Perser, später der Araber,trieb es Handel mit Ceylon und China. Über das Schwarzeund das Kaspische Meer erhielt es aus Zentralasien Spe-zereien, Arome, Edelsteine. Nach Norden hin zogen sichseine Handelswege bis zu den Skandinaven und Russen, vonwo es Pelzwerk, Honig, Wachs, Sklaven bezog. Die byzan-tinischen Kaufleute, vor allem die Syrer und Armenier,gingen nach Afrika, Italien, Gallien . Was aus allen diesenGegenden zusammenströmte, wurde hier, soweit es nichtam Orte verbraucht wurde, weiterverarbeitet oder an andereVölker weiter verhandelt. Aus den Händen seiner Arbeiterging alles hervor, was das Mittelalter an kostbarem undraffiniertem Luxus gekannt hat, nicht nur die schon er-wähnten bildergeschmückten Seiden- und Purpurstoffe, son-dern auch die goldglänzenden Brokate, die wundervollstenWerke der Qoldschmiedekunst, Geschmeide, besetzt mitEdelsteinen und Perlen, Elfenbeinschnitzereien, Manuskripte,bemalt mit Miniaturen, silberniellierte Bronzen, gold-emaillierte Reliquarien.
Welches war die Organisation des Gewerbbetriebs undauch des Handels? Sie stand überwiegend unter demZeichen des Monopols.
Nicht nur daß Justinian die Produktion gewisserseidener Artikel monopolisiert hat und gewisse Stoffe nurin den Staatsfabriken hergestellt werden durften, auch denVerkauf der nötigsten Lebensmittel hat er den Privatper-sonen entzogen. Die Sache hat ihren Anfang in den Ge-treidespenden genommen, welche in Konstantinopel, wiefrüher in Rom , unter das Volk, um es bei guter Laune zuerhalten, verteilt wurden. Außer Brot und Getreide hatKonstantin Fleisch, Wein und Öl im kaiserlichen Palaste