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Lidice : Roman
Entstehung
Seite
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Beifall. Heut sind wir unter uns, da sag ichs kuehn, denProtektor wuensch ich mir fuer taeglich, mit Mostrich,

Rettich und Tusch.

Das Orchester spielt einen Tusch, der Vorhang faelltzum letzten Mal.

Aus den Kulissen draengen Komparserie und Solisten.

Beim Anblick Pavels kreischen sie auf. Manche bekom-men Gesichter, die ihn ernsthaft pruefen. Zwei Taenzerin-nen wagen sich bis in Atemnaehe: sie schliessen die Au-gen und kuessen ihn, jede auf eine Wange. Gleich nach-her erschrecken sie und fluechten.

Pavel folgt in Richtung der Damen-Garderoben. Auf (

der letzten Tuer liest erMilo Schatzova". Ohne anzu-klopfen tritt er ein. Er dreht den Schluessel um.

In dem Spiegel, vor dem sie sitzt, beobachtet die Schau-spielerin ihn. Ihre Miene wird kalt und boese wie seine.

Sie befiehlt ihrer Garderobiere:Wirf den Herrn hinaus!

Die Garderobiere, entsetzt:Milo! beherrsche dich.

Das ist der Protektor.

Milo Schatzova:Wenns der Herr Protektor waere,fuehrt er sich anstaendig auf. Schlechte Witze mag ichnicht.

Pavel:Deshalb bist du zum Rococo gegangen. Milo!

Als du noch eine Anatomie-Studentin warst, die Leichenhatten mehr Humor als ihr hier.

Milo Schatzova:Sei doch komisch, wenn in der Loge, \»

direkt auf der Buehne ein Gespenst zusieht!

Pavel:Wir arbeiteten zusammen angenehm in derAnatomie. Aber der Protektor, mein Vorgaenger hat dietschechische Universitaet geschlossen. Da musstest du zumTheater gehen.

Milo Schatzova:Und du dein hohes Amt antreten.'

Pavel:Beide haben wirs schnell zu etwas Rechtemgebracht.

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