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Der Kaplan, auf dem Waldweg nach der Kapelle. SeinGang ist ungleich, die Haende umfassen entweder das ver-stoerte Gesicht, oder sie greifen gespreizt in ueberhaen-gende Zweige. Er schwankt, blickt umher, und redet sich zu:“Falle gefaelligst nicht, mein zweifelhafter Freund! Dasgeht dir noch ab, mit deiner seelischen Bedraengnis gross-tun, vor den Leuten als Gewissenskaempfer glaenzen. Hiersehen keine Leute zu, und auf dein Gewissen pfeifen siesich etwas. Bilde dir nicht ein, dass Gott selbst sich ausdeinen Versuchungen viel macht. Nicht er hat dich ver-sucht, und wer auf die Bibel falsch schwoert, wird ihmunendlich gleichgueltig. Alles bei ihm ist unendlich.”
Ein anderer Fusspfad zweigt ab. Der Kaplan beschliesstkurzweg, seinen Weg zu. verlassen: “In der Kapelle beten,waer’ aufgelegter Schwindel. Geschehen ist geschehen, uebri-gens gab man mir zum Schwoeren das Exerzierreglement,das gilt nicht.”
Er ist geeilt, im vollen Lauf haelt er an: “Aber ge-meint war die Bibel, und ich dachte, als ich schwur, sehrwohl des Gottes, der mich Wort fuer Wort vernahm. Ver-nommen wurde ich hoeheren Ortes, nicht fuer den Poli-zisten erfand ich, dass ich gestern gepredigt habe: Dusollst nicht falsch Zeugnis ablegen. Ich machte meinenFall noch schwerer, so schwer wie er vor Ihm ist.”
Der Kaplan dreht sich im Kreise, bevor er ploetzlichin das ungebahnte Dickicht eindringt, um die Kapelle den-noch zu erreichen. Diesmal stuerzt er wirklich. Er sprichtmit gebrochener Stimme: “Das Natuerliche war, dass derPolizist meine falschen Zeugen fragte, Worueber ich gestern gepredigt habe. Sofort kam alles an den Tag. Ichbin bei der Allmacht so wertlos, dass sie mich des natuer-lichen Verlaufes meiner- Schuld nicht wuerdigt!”
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