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wir uns später besonders beschäftigen werden. Und wie man die„Wirtschaftlichkeit“ verschiedener Betriebsgeschäfte und Produktions-methoden vor Allem an dem Eintreten und der Größe des Über-schusses der Erträgnisse über den Kostenaufwand bemisst, so trittauch die Verschiedenheit in der wirtschaftlichen Lebensweise undin der Ilaushaltsmethode der Einzelnen wie der Gemeinschaftenzumal darin hervor, ob und in welchem Maße sie während der Be-friedigung des laufenden Bedarfes in den Besitz von Überschüssengelangen, welche für den Bedarf in einer zukünftigen Zeit verwend-bar sind.
Es ist sehr bemerkenswert, dass die bekannten Ausführungenüber die Entstehung des Kapitales „durch Ersparnis, indem neueProdukte dem augenblicklichen Geuussverbrauche des Besitzers ent-zogen werden“, sich doch zunächst nur auf Kapital in dem Sinnevon Güter-Vorräten beziehen können! Darum haben denn auchan ihnen vorab solche Schriftsteller Anstoß nehmen können, denenKapital und Produktionsmittel gleichbedeutend ist! Die spezi-fische Antwort auf die Frage: wie entstehen die Produktions-mittel? kann eben wirklich nicht durch eine Erklärung gegebenwerden, welche an sich nur oder auch auf die Gegenstände desGenussVerbrauches passt.
Jener „Entstehung des Kapitals durch Ersparnis“ steht übrigensein zweifacher Weg offen. Ein Gütervorrat wird aufgesammelt,wenn an Stelle des Zustandes, in welchem der laufende Bedarfdurch die laufende Produktion befriedigt wird, bei gleich bleibenderProduktion fresp. gleichem Einkommen) der laufende Verzehr einge-schränkt wird — also durch Übergang zum minderen Verbrauch —,oder wenn bei gleichbleibendem Verbrauch die bisherige Produktionausgedehnt wird — also durch Übergang zu vermehrtem Erwerb. Eskönnen thatsächlich einer Wirtschaftsführung beide Wege zugleichbetretbar und empfohlen sein, aber auch nur der eine oder derandere. Unseres Erachtens gehört die Erzielung eines solchen Güter-vorrates in einem gewissen Umfang zu den unbedingten Aufgabeneiner menschlichen, den Bedarf einer Zukunft, dem durch einedann gleichzeitige Produktion nicht genügt werden kann, vorsorg-lich mit umspannenden Wirtschaftsführung. Daraus folgt dannKnies, Das Geld. II. Aufl.