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Das Geld : Darlegung der Grundlehren von dem Gelde, insbesondere der wirtschaftlichen und der rechtsgiltigen Functionen des Geldes, mit einer Erörterung über das Kapital und die Übertragung der Nutzungen / von Karl Knies
Entstehung
Seite
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Preismaßstabes, des Zirkulationsmittels. Ein Zehnthalerschein da-gegen verkündigt mit jedem Disagio aller 'Welt, dass dieselbenBedingungen, welche seinen Preis um 1 % gemindert haben, diesenauch um 2, 3, 4, 5% u. s. w. mindern können. In der Thatkann ja die Fabrikation von Papiergeld in jedem Umfang erfolgenund im Notfall die Ausgabe desselben von der Staatsgewalt solange verstärkt werden, als sie noch im Inlande eine irgend welcheSchuld zu bezahlen hat, oder irgend welche Zwangs-Verkäufe an-ordnen kann und die Scheine zu einem minimalen Wertbetrag vondem ersten Empfänger weiterzubegeben sind. Das in Preisschwan-kung geratene Papiergeld ist ein Tauschmittel geworden, dessenVerkehrswert von jedem Abnehmer neu festgestellt werden sollte,während die große Masse der Verkehrenden gar nicht in der Lageist, diese Prüfung vornehmen zu können. Dennoch muss man dienur in Geld zu berechnenden Preisansätze auf Forderungen vonBeträgen jenes für sich selbst im Geld-Wert so schwankendenTauschmittels stellen. Die gesetzliche Gleichwertung zweier im Ver-kehr thatsächlich ungleichwertiger Gegenstände für rechtsgiltige Zah-lungen verdrängt den zu niedrig gewerteten auch aus dem Gebrauchals Tauschmittel, und es ist, wenngleich unverboten, doch vergeb-lich, ihn als Kauf-Verkaufmittel für den Verkehrmit aller Weltin Aussicht zu nehmen. Daher kommt freilich zu der Ungewiss-heit über den Vermögenswert, welchen man in seinen Scheinennach neuen Wertschwankungen derselben haben wird, die andereUngewissheit über den Wertbetrag, den man in noch zu erwarten-den Zahlungen mit Scheinen empfangen wird. Nur liegt die Ursacheeben nicht in einem Schwanken des Wertmaßes und des Preismaß-stabes, sondern in den Kursveränderungen des aufgezwungenenTauschmittels, deren Umfang und Häufigkeit gleichfalls am Geldebemessen werden.

Die Volkswirtschaftslehre wird sich gegenüber der Ausgabe vonPapiergeld in Zuständen außerordentlicher Not des Staates daraufbeschränken müssen, das sachliche Wesen samt den unvermeidlichenFolgen dieses Vorgangs festzustellen. Innerhalb dieser Grenzen istdie Aufgabe belegen, den Nebel zu zerstreuen, welchen theoretischeMisverständnisse über das Wesen des Geldes und der Zahlung