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Das Geld : Darlegung der Grundlehren von dem Gelde, insbesondere der wirtschaftlichen und der rechtsgiltigen Functionen des Geldes, mit einer Erörterung über das Kapital und die Übertragung der Nutzungen / von Karl Knies
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nahmen reichlich genug für den veränderten und vermehrten Staats-bedarf flössen und mit denGrundkräften die mechanischen Hebelfür die neuen Aufgaben der politischen Gemeinwesen von dem Landein die Stadt übergesiedelt waren. Denn während die direkte Kon-sumtion der auf den fürstlichen Domänen erzeugten Lebensmittelfür den Ycrwaltungsbodarf der Regierung nur noch verhältnismäßigunerhebliche Nutzwirkungen bringen konnte, war auch auf den Vor-gang einerVersilberung der von der ohnedies noch mit grund-herrlichen Lasten beschwerten bäuerlichen Bevölkerung gewonnenenRohstoffo nicht zu bauen. Nur in den Städten war zunächst dasimmer wieder nötige Geld zu finden; saßen doch innerhalb derRingmauern dieser Städte auch die Handelsleute, welche Geldpreisefür inländische Manufakturwaren von dem Auslande heimbrachten.Andererseits waren die Städte geneigt und bereit, den Kampf desKaisers gegen die Fürsten und den Kampf der Fürsten gegen dieMitregentschaft der im feudalen Staate bevorzugten Stände undKinzclnherren zu unterstützen, wenn sie auch dabei ihren bürger-lichen Vorteil in Rechnung zu ziehen nicht vergaßen. Geld-Soldmusste zur Hand sein, wenn dieFähnlein der Hintersassen undKnechte feudaler Grundherren durch Miettruppen undstehendeHeere verdrängt werden sollten, und nur mit Geld zuBesoldun-gen konnte man dazu Vorgehen, Rechtspflege undPolizei denGutsherrschaften zu entziehen, um sie den Händen berufsmäßiggeschulterlandesherrlicher Bediensteten und hernachstaatlicherBeamteten anzuvertrauen. Wurde doch selbst jener für das ge-samte Volksleben hochbedeutsame Vorgang derRezeption des rö-mischen Rechtes eben auch dadurch mächtig gefördert, dass dasrömische Recht in seiner schließlich überlieferten Gestalt für einenStaat mit ausgeprägtem geldwirtschaftlichen Verkehr formiert wor-den war.

In dem früheren Abschnitt über das Kapital ist dargelegt wor-den, dass die große Masse der nationalökonomischen Erörterungenüber das Wesen u. s. w. des Kapitales der Hauptsache nach aufzwei verschiedene Richtpunkte hin sich bewegt. Die einen aner-kennen in dem Kapital ein (in abstracto in Betracht genomme-nes) Produktionsmittel, beziehungsweise das produzierte Pro-