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Vorstehende Ziffern zeigen die drei germanischen Nationen als diewirtschaftlichen Vormächte der Welt. Frankreich — die vierte dieserMächte — ist durch weiten Abstand von ihnen getrennt. In der Baum-wollindustrie, der Schiffahrt und dem Schiffsbau behauptet Gross-britannien noch heute seine überragende Stellung. Noch ist London — zwar nicht mehr unangefochten — der leitende Bank- und Börsenplatzder Welt. Noch besitzt Grossbritannien mehr als die Hälfte allen Schifif-raums und nennt mehr grosse Rhedereien sein eigen, als alle andernNationen zusammengenommen. Noch baut Grossbritannien die Mehrzahlaller Schiffe, die den Ozean befahren; immerhin sank sein Anteil amWeltschififsbau 1893—1904 von 79 auf 61 °/o. (Vergl. Tab. 23—26).
Frankreichs wirtschaftliche Weltstellung beruht auf altererbtemKapital, das durch nüchterne Lebensgewohnheiten und Geburten-beschränkung noch heute vermehrt wird. Ein Rentnerstaat, agrarischerSelbstversorgung zuneigend, übt Frankreich als Geldmarkt und als Landniedrigster Diskontsätze einen weitreichenden internationalen Einfluss.(Vergl. Tab. 5, 6, 7, 27).
Die Vereinigten Staaten haben auf Grund ungeheurer Fläche,riesiger Rohstofiferzeugung und fast doppelt so starker Bevölkerung dasbritische Mutterland endgültig überholt und sind heute die erste Wirt-schaftsmacht der Welt, u. a. auch die grössten Erzeuger von Edelmetall[Gold-|-Silber], sowie von Baumwolle und Erdöl . Aber ihre wirt-schaftliche Struktur ist eine andere als die Grossbritanniens . Noch sinddie Vereinigten Staaten überwiegend Binnenland. Der Turmbau derTrusts ruht auf der breiten Schulter des Farmers. Immerhin liegt dieEntwicklung der amerikanischen Industrie — bei verwandten Lebens-gewohnheiten — vielfach in der Richtung der englischen. Zwischenbeiden Staaten entwickelt sich ein gewisser Parallelismus der gewerb-lichen Erzeugung — überwiegend angewandter Physik — und damiteine unvermeidliche Rivalität. Britische Sachverständige stimmen dahinüberein, dass England den Mitbewerb der Vereinigten Staaten auf die